Italien

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Italien
Ita|li|en; -s:
Staat in S√ľdeuropa.

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Itali|en
 
 
 
Fläche: 301 341 km2
 
Einwohner: (2000) 57,6 Mio.
 
 
Amtssprachen: Italienisch, Französisch, Deutsch
 
 
Währung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cent
 
 
amtlich italienisch Repubblica Italiana, Staat in S√ľdeuropa, 301 341 km2, (2000) 57,6 Mio. Einwohner, umfasst einen Teil der S√ľdabdachung der Alpen, die Poebene, die Apenninenhalbinsel, die Inseln Sizilien, Sardinien und mehrere kleinere Inselgruppen. Die Halbinsel ist fast 1 000 km lang und 130-250 km breit. Italien ist im Osten, S√ľden und Westen vom Mittelmeer umsp√ľlt und grenzt im Norden an Frankreich, die Schweiz, √Ėsterreich und Slowenien; Hauptstadt ist Rom; Amtssprachen: Italienisch, in der autonomen Region Aostatal auch Franz√∂sisch, in der Provinz Bozen auch Deutsch. W√§hrung: 1 Euro (EUR, ) = 100 Cent. Zeitzone: MEZ.
 
 Staat und Recht:
 
 
Nach der am 22. 12. 1947 von der verfassunggebenden Versammlung angenommenen und am 1. 1. 1948 in Kraft getretenen Verfassung (mehrfach revidiert) ist Italien eine parlamentarisch-demokratische Republik. Staatsoberhaupt ist der Pr√§sident, der von beiden H√§usern des Parlaments und je drei Vertretern der Regionen auf sieben Jahre gew√§hlt wird (Wiederwahl m√∂glich). Zu seiner Wahl ist in den ersten drei Wahlg√§ngen eine Zweidrittelmehrheit, sonst die absolute Mehrheit erforderlich. Der Pr√§sident hat das Recht, das Parlament aufzul√∂sen und den Ministerpr√§sident zu ernennen, und verf√ľgt √ľber ein aufschiebendes Vetorecht im Gesetzgebungsverfahren. Die Legislative liegt beim Zweikammerparlament, bestehend aus Senat (Senato; 315 f√ľr f√ľnf Jahre auf regionaler Basis gew√§hlte und neun auf Lebenszeit ernannte Senatoren) und Abgeordnetenhaus (Camera dei Deputati; 630 f√ľr f√ľnf Jahre gew√§hlte Abgeordnete). Nach der Wahlrechtsreform vom 18. 12. 1993 werden die Senatoren in 232, die Abgeordneten der Kammer in 475 Wahlkreisen gew√§hlt, jeweils drei Viertel nach dem Mehrheitswahlrecht (relative Mehrheit gen√ľgt) und ein Viertel im Verh√§ltniswahlsystem nach Parteilisten; es gilt eine Sperrklausel von 4 %. Das aktive Wahlalter beginnt f√ľr die Kammer mit dem 18., f√ľr den Senat mit dem 25. Lebensjahr, das passive mit dem 25. beziehungsweise dem 40. Lebensjahr. Beide H√§user haben gleiches Initiativ- und Beschlussrecht. Der Pr√§sident des Senats ist zugleich Stellvertreter des Staatspr√§sidenten Exekutivorgan ist die Regierung unter Vorsitz des Ministerpr√§sidenten Der Staatspr√§sident ernennt den Regierungschef und auf dessen Vorschlag die √ľbrigen Mitglieder des Kabinetts.
 
Parteien:
 
In den 1990er-Jahre erfolgte ein grundlegender Umbruch des Parteiensystems. Politisch bestimmend waren dabei die Neuformierung der bis dahin in der Democrazia Cristiana (DC) und in der Kommunistischen Partei (Partito Comunista Italiano, PCI) gebundenen Kr√§fte. Einflussreichste der zahlreichen Nachfolgeparteien der DC wurde der Partito Popolare Italiano (PPI, deutsch Italienische Volkspartei; gegr√ľndet 1994); aus der PCI gingen 1991 der Partito Democratico della Sinistra (PDS, deutsche Demokratische Partei der Linken; sozialdemokratisch) und der Partito della Rifondazione Comunista (PRC, deutsche Partei der kommunistischen Erneuerung; reformkommunistisch) hervor. Wichtigste Parteien im seit 1996 bestehenden Mitte-links-B√ľndnis ¬ĽL'Ulivo¬ę (¬ĽDer √Ėlbaum¬ę) sind die Democratici di Sinistra (DS, deutsch Linksdemokraten; gegr√ľndet 1998 als Zusammenschluss der PDS mit kleineren Linksparteien), der PPI, die Lista Dini-Rinnovamento Italiano (RI, deutsch Liste Dini-Ital. Erneuerung; gegr√ľndet 1996), der Partito di Communisti Italiani (PdCI, deutsch Partei der Kommunisten Italiens; 1998 aus dem PRC hervorgegangen) und der Bund der Gr√ľnen (italienisch Federazione dei Verdi). Tragende Parteien des parlamentarischen Mitte-rechts-Blocks (¬ĽPolo per la Libert√†¬ę, deutsch ¬ĽPol der Freiheit¬ę, f√ľr die Wahlen 2001 erneuert unter dem Namen ¬ĽCasa delle Libert√†¬ę, deutsch ¬ĽHaus der Freiheiten¬ę) sind die Forza Italia (FI, deutsch Italien voran; gegr√ľndet 1993; liberalkonservativ), die Alleanza Nazionale (AN, deutsch Nationale Allianz; gegr√ľndet 1994; rechtskonservativ), die Lega Nord (gegr√ľndet 1989 als regionale Autonomiebewegung) und der Centro Cristiano Democratico (CCD, deutsch Christlich-Demokratisches Zentrum; 1994 aus der DC hervorgegangen). Politisch zwischen die beiden Parteienbl√∂cke ordnet sich die Unione Democratica per la Repubblica (UDR, deutsch Demokratische Union f√ľr die Republik; gegr√ľndet 1998) ein. J√ľngste Partei im Parteienspektrum ist die Democrazia Europea (gegr√ľndet2001 als christdemokratische Partei der Mitte).
 
 
Die italienische Gewerkschaftsbewegung war von Beginn an zersplittert. Es gibt christliche, sozialistische und sozialdemokratische Gewerkschaften. Als freigewerkschaftliche Zentralorganisation entstand 1906 die Confederazione Generale del Lavoro Italiano. Die Verbreitung christlicher (katholischer) Gewerkschaften, zusammengefasst in der Confederazione Italiana dei Lavoratori, wurde durch die Enzyklika ¬ĽRerum novarum¬ę Leos XIIItalien wesentlich gef√∂rdert. Unter dem faschistischen Regime wurde 1922 in Bologna die Confederazione Nazionale delle Corporazioni Sindacali gebildet. Das Gewerkschaftsgesetz von 1926 erkannte ein Einheitssyndikat f√ľr jeden Bezirk und jede Berufskategorie gleichm√§√üig f√ľr Arbeitgeber und Arbeitnehmer an. Die ¬ĽCarta del Lavoro¬ę von 1927 gliederte das Syndikatssystem in den Staat ein. Nach dem Zusammenbruch des faschistischen Regimes bildete sich 1944 die Confederazione Generale Italiana del Lavoro (CGIL); aus ihr traten 1948 die christlichen Gewerkschafter aus. Im selben Jahr wurde als Versuch einer √ľberparteilichen Gewerkschaft die Libera CGIL (LCGIL) gegr√ľndet. Republikaner und Sozialisten bildeten die Federazione Italiana del Lavoro (FIL), sodass nunmehr nebeneinander bestanden CGIL, LCGIL, FIL und die 1950 errichtete Unione Italiana del Lavoro (UIL). 1950 vereinigten sich LCGIL und FIL zur Confederazione Italiana Sindacati Lavoratori (CISL), die - wie die UIL - dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften angeh√∂rt. Bis 1978 war die CGIL Mitglied des Weltgewerkschaftsbundes. Die sozialdemokratisch orientierte CGIL hatte (2001) 5,4 Mio., die mehrheitlich katholische, in Teilen laizistische CISL 4,1 Mio. und die linksliberal-sozialistisch orientierte UIL 1,8 Mio. Mitglieder. Zwischen CGIL, CISL und UIL wurde 1972 eine F√∂deration als loser Zusammenschluss der drei B√ľnde gegr√ľndet. Die 1996 aus der Vereinigung der neofaschistischen Confederazione Italiana Sindacati Nazionali Lavoratori (CISNAL) mit 28 autonomen Gewerkschaften hervorgegangene rechte Unione Generale del Lavoro (UGL) hat 2,14 Mio. Mitglieder, der der Lega Nord nahestehende Sindacato Padano (SIN.PA, gegr√ľndet 1997) rd. 320 000 Mitglieder. Neben den gro√üen Gewerkschaften existieren rd. 160 berufsst√§ndisch ausgerichtete autonome Gewerkschaften, von denen √ľber 60 der Confederazione Italiana Sindacati Autonomi Lavoratori (CISAL, gegr√ľndet 1957; rd. 1,5 Mio. Mitglieder) angeh√∂ren.
 
 
Das Wappen (seit 1948) zeigt einen rot ger√§nderten wei√üen Stern, der auf einem eisenfarbenen, speichenf√∂rmig versteiften Tellerzahnrad liegt und von Eichen- und Lorbeerlaub umrankt wird. Das Spruchband tr√§gt den offiziellen Staatsnamen ¬ĽRepubblica Italiana¬ę.
 
Nationalfeiertage:
 
Am ersten Sonntag im Juni wird an die Volksabstimmung vom 2. 6. 1946 √ľber die Frage ¬ĽRepublik oder Monarchie¬ę sowie an die gleichzeitig durchgef√ľhrten Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung erinnert.
 
 
Italien ist in 20 Regionen gegliedert, von denen f√ľnf (Sardinien, Sizilien, Trentino-S√ľdtirol, Friaul‚ÄĒJulisch Venetien und das Aostatal) einen besonderen Autonomiestatus genie√üen. Jede Region besitzt einen auf 5 Jahre gew√§hlten Regionalrat sowie eine von diesem gew√§hlte Regionalregierung (Giunta regionale), die dem Regionalrat verantwortlich ist.
 
 
Als h√∂chstes Gericht wacht der 1956 eingerichtete Verfassungsgerichtshof (Corte Costituzionale) als unabh√§ngiges Verfassungsorgan √ľber die Einhaltung der Verfassung. An der Spitze der Straf- und Zivilgerichtsbarkeit steht der Oberste Kassationsgerichtshof (Corte Suprema di Cassazione); unterhalb dieser Ebene sind f√ľr die Strafgerichtsbarkeit Berufungs- und Berufungsassisengerichte, Assisengerichte und Magistratsgerichte eingerichtet. Die Eingangszust√§ndigkeit h√§ngt von der Schwere des Delikts ab. F√ľr die Zivilgerichtsbarkeit sind Berufungsgerichte und verschiedene Untergerichte (Giudici Conciliatori, Preture, Tribunali) zust√§ndig, deren Erstzust√§ndigkeit vom Wert der Sache bestimmt wird. W√§hrend Arbeitsgerichtsverfahren in den Bereich der Zivilgerichtsbarkeit geh√∂ren, gibt es einen zweistufigen Verwaltungsgerichtsaufbau (Consiglio di Stato, Tribunali Amministrativi Regionali). Die nationale Einigung (Risorgimento) brachte die Vereinheitlichung des Privatrechts durch den Codice civile von 1865 (nachgebildet dem Code Napol√©on von 1804). Mit dem Codice civile von 1942 (Kodifizierung auch von Arbeits- und Wirtschaftsrecht) erhielt Italien ein modernes Gesetzeswerk. Seit 1929 gibt es neben der Zivilehe die kirchliche (Konkordats-)Ehe mit zivilrechtlicher Wirkung; beide k√∂nnen seit dem Scheidungsgesetz vom 1. 12. 1970 bei Zerr√ľttung geschieden werden.
 
 
Die Gesamtst√§rke der Wehrpflichtarmee (Dienstzeit 10 Monate) betr√§gt rd. 260 000 Mann (Reduzierung auf 190 000 vorgesehen), die der paramilit√§rischen Kr√§fte etwa 260 000 Mann, darunter 115 000 Carabinieri. Nach einem Gesetz von 1999 ist ab 2007 die Schaffung einer Berufsarmee geplant; verbunden damit ist eine Umstrukturierung, Modernisierung und Professionalisierung der Streitkr√§fte. Seit 2000 k√∂nnen auch Frauen freiwillig in den Streitkr√§ften dienen. Das Heer (160 000 Soldaten, geplante Reduzierung auf 100 000) ist v. a. gegliedert in eine Panzerbrigade, drei Alpini- und f√ľnf mechanisierte Brigaden sowie eine Fallschirmj√§gerbrigade. Hinzu kommen mehrere selbstst√§ndige Regimenter, v. a. der Artillerie- und Pioniertruppe, und die Heeresflieger. Die Ausr√ľstung besteht im Wesentlichen aus etwa 800 Kampfpanzern vom Typ Leopard und Ariete. Die Luftwaffe hat rd. 60 000 Mann (geplante Reduzierung auf 45 000) und etwa 300 Kampfflugzeuge (v. a. Tornado, F-104 Starfighter). Die Marine (40 000 Mann, geplante Reduzierung auf etwa 30 000) verf√ľgt u. a. √ľber einen leichten Flugzeugtr√§ger, einen Hubschrauberkreuzer, 4 Zerst√∂rer, 24 Fregatten und 8 U-Boote. - Italien ist Mitglied der NATO sowie der WEU.
 
 Landesnatur und Bevölkerung:
 
 
Zu Italien geh√∂ren im Westen und Norden, etwa bis zum Luganer See, Teile der kristallinen West- und Zentralalpen, im Norden und Osten Teile der s√ľdlichen Kalkalpen mit den italienischen Dolomiten. Am Alpenrand liegt ein Mor√§nenh√ľgelland, welches die nur vereinzelt (Gardasee) aus den Alpent√§lern in die Ebene hinaustretenden, von eiszeitlichen Gletschern geschaffenen Alpenrandseen (z. B. Lago Maggiore) von S√ľden abschlie√üt. Vor dem Alpenrand entstanden die Monti Berici und die Euganeen durch vulkanische (basaltische) Ausbr√ľche im Terti√§r. Der Vulkanismus im Innern der Alpen war v. a. im Perm (Bozener Porphyr) t√§tig. Der Apennin, ein Falten- und Bruchfaltengebirge, beginnt als Fortsetzung der s√ľdlichen Westalpen (Ligurische Alpen). Er bildet das R√ľckgrat der Apenninenhalbinsel, erreicht in den Abruzzen im Gran Sasso d'Italia 2 912 m √ľber dem Meeresspiegel und setzt sich in einem Bogen bis Sizilien fort. Dicht besiedelte L√§ngst√§ler und (Karst-)Becken sind zwischen die einzelnen K√§mme geschaltet. Zwischen Alpen und Apennin liegt als s√ľdliche Vortiefe der Alpen die Poebene. √úber ihrem terti√§ren Untergrund lagern 2 000 m m√§chtige quart√§re Ablagerungen. Am Rande gegen Alpen und Apennin ziehen sich durchl√§ssige quart√§re Schotterlagen hin, deren Rand als Fontanilizone Quellgebiet zahlreicher Fl√ľsse ist. Der Apennin trennt die breite, reich gegliederte feuchte Westseite der Halbinsel mit ihren Beckenlandschaften (Toskana, Umbrien) von der trockeneren, kaum gegliederten, hafenarmen und schmalen Ostseite. Als eine nur schwach gefaltete Kalktafel ist Apulien dem apenninischen Italien angegliedert. In Kalabrien bilden Gesteine des kristallinen Grundgebirges den Apennin. - Die K√ľsten sind meist flach, im Westen leicht gebuchtet, im Osten L√§ngsk√ľsten, im Nordosten Nehrungsk√ľsten. Versumpfte K√ľstenebenen waren bis zur Beendigung der Entw√§sserungsarbeiten im 20. Jahrhundert in den Maremmen, den Pontinischen S√ľmpfen, der Seleniederung und der Bucht von Palermo hinter Strandw√§llen und D√ľnenkr√§nzen weit verbreitet. Schroffe Gebirgsk√ľsten als Folge von Bruchtektonik weisen die Halbinsel Sorrent und die Kalabrische Halbinsel auf. Mit der gro√üen tyrrhen. Bruchzone stehen auch die zum Teil t√§tigen Vulkane im Zusammenhang (Vesuv, Stromboli, zahlreiche erloschene Vulkane vom Monte Amiata bis zu den Liparischen Inseln). Am Au√üenrand des Apennins liegen der √Ątna und der erloschene Monte Vulture. Die noch heute lebhafte Bruchtektonik und der Vulkanismus zeigen sich in h√§ufigen Erdbeben, vielen warmen Quellen und Mineralquellen.
 
Die bedeutendsten Fl√ľsse, wegen der unregelm√§√üigen Wasserf√ľhrung jedoch ohne Verkehrswert, sind Po, Etsch, Tiber, Adda, Oglio, Tanaro, Tessin, Arno. Gef√ľrchtet sind die Herbsthochwasser des Po. Im Sommer liegen die schuttgef√ľllten Flussbetten trocken (Fiume). Im Norden sind au√üer den Alpenrandseen Karseen ausgebildet, die Seen der Mitte sind tektonischer Entstehung (Trasimen. See) oder Kraterseen (Lago di Bolsena, Albaner See). Gr√∂√üter Alpenrandsee ist der Gardasee.
 
 
Die gro√üe L√§ngenerstreckung √ľber fast 10 Breitengrade und die starke H√∂hengliederung bringen sehr unterschiedliche Klimaverh√§ltnisse mit sich. In den S√ľdalpen, der Poebene und dem Nord-Apennin vollzieht sich der √úbergang vom mitteleurop√§ischen zum nordmediterranen Klima, von vorherrschenden Sommerregen zu Herbst- und Fr√ľhjahrsniederschl√§gen. Gegen√ľber der winterkalten Poebene sind die S√ľdalpent√§ler, die Seengebiete am Alpenrand und die ligurische K√ľste gesch√ľtzt (Winterkurorte). S√ľdlich von Rom fallen die Niederschl√§ge vorwiegend im Winter, dem ein trockener, hei√üer Sommer folgt. Die aride Zeit dauert in Mittelitalien 1-2, in Sizilien 4-6 Monate. W√§hrend die Gebirge √ľber 1 000 mm Niederschlag (in den Alpen bis 3 000 mm) im Jahr erhalten, liegen auf der Ostseite des Apennins und in Becken Trockengebiete mit weniger als 500 mm Niederschlag, denn die Niederschl√§ge fallen im Allgemeinen bei Durchzug von Fronten mit Westwinden. Schneedecken oberhalb 2 000 m H√∂he halten sich auch im s√ľdlichen Apennin lange Zeit. In den italienischen Alpen liegen etwa 800 Gletscher, 200 allein im Bereich des Aostatals.
 
 
Norditalien und die h√∂heren Teile des Apennins geh√∂ren zum mitteleurop√§ischen sommergr√ľnen Laubwaldgebiet; immergr√ľne Mittelmeervegetation findet sich schon an den Alpenrandseen und an der ligurischen K√ľste. In Mittelitalien reichen die Hartlaubgew√§chse bis 400 m, in S√ľditalien bis √ľber 800 m √ľber dem Meeresspiegel; auf Sizilien und Sardinien kommt noch die Zwergpalme hinzu. Darauf folgen Edelkastanien und Eichen bis um 1 200 m √ľber dem Meeresspiegel, Rotbuchen und Tannen, zum Teil Kiefern. Die Baumgrenze liegt zwischen 1 900 m im Norden und 2 100 m √ľber dem Meeresspiegel im S. Fremde Florenelemente sind Agaven, Opuntien, Zypressen, Zedern, Eukalyptus. Der Wald ist stark verringert worden: in der Poebene durch Kolonisierung, im Gebirge durch √ľberm√§√üige Holznutzung und Beweidung. Dies f√ľhrte zu hartlaubigen Buschformationen (Macchie), Strauchheiden (Garrigue), Bodenerosion und Versch√ľttung von T√§lern und M√ľndungsbuchten (Pisa, Sibaris), Verkarstung der Kalkgebirge und Versumpfung. Kulturpflanzen wie √Ėlb√§ume, Weinreben und Getreide bestimmen heute das Landschaftsbild, in der Poebene auch Wiesen; au√üerhalb der Nutzfl√§chen breitete sich dort die Robinie aus. Im S√ľden entstanden weite Weizenanbauareale. Der Terrassenfeldbau im Gebirge geht zugunsten der Aufforstung zur√ľck (Alpen, Apennin).
 
 
Den Hauptanteil stellen die Italienisch sprechenden Italiener (94 % der Gesamtbev√∂lkerung). Au√üerdem umfasst der Staatsraum im Norden das mehrheitlich deutsche Sprachgebiet S√ľdtirols (etwa 300 000 Personen; dazu weitere etwa 15 000 in isolierten Gruppen im √ľbrigen italienischen Alpenraum), eine franz√∂sischsprachige Minderheit im Aostatal und in Piemont, die r√§toromanischsprachigen Ladiner (30 000), in Friaul‚ÄĒJulisch Venetien au√üer den eine sprachliche Sonderstellung einnehmenden Friulani (etwa 720 000) auch slowenisch- (53 100) und kroatischsprachige Volkssplitter (3 000). In S√ľditalien und Sizilien leben auch isolierte Gruppen von Albanern (etwa 90 000) und Griechen (15 000). Auf Sardinien wird au√üer Sardisch (1,35 Mio. Sprecher), einer eigenen romanischen Sprache, auch noch Katalanisch gesprochen (15 000 Sprecher). - Das durchschnittliche j√§hrliche Bev√∂lkerungswachstum (1990-99) betr√§gt 0,2 %; die Siedlungsdichte (2000) 191 Einwohner je km2. Die Bev√∂lkerungsverteilung ist jedoch sehr unterschiedlich, gr√∂√üte Dichte in Teilen von Norditalien (Lombardei, Ligurien, Venetien), weitere Dichtezentren sind um Rom und am Golf von Neapel. Diesen Ballungsr√§umen stehen extrem d√ľnn besiedelte Gebiete gegen√ľber (Basilicata, Sardinien, die Gebirgsregionen im Norden). Die st√§dtische Bev√∂lkerung betr√§gt (1999) 67 %; in st√§dtischen Ballungsgebieten mit 1 Mio. Einwohnern und mehr leben etwa 20 % der Bev√∂lkerung Eine Rolle spielt die saisonale Arbeiterwanderung v. a. arbeitsloser S√ľditaliener nach Frankreich, der Schweiz und nach Deutschland. Sehr stark ist auch die Binnenwanderung von S√ľden nach Norden (v. a. zum Industriedreieck Mailand-Turin-Genua), aus den Gebirgsteilen in die K√ľstenebenen und vom Land in die St√§dte, die in den industriellen Ballungsr√§umen wachsende soziale Spannungen verursacht.
 
Unter den l√§ndlichen Siedlungen bestimmen D√∂rfer in geschlossener Bauweise mit oft gro√üen Gemarkungen das Bild. Die Siedlungen liegen in Mittel- und S√ľditalien oft (in Schutzposition) auf Bergen; wegen dieser unter gegenw√§rtigen Verh√§ltnissen ung√ľnstigen Lage entstehen charakteristische Neusiedlungen in tiefer Lage, wie die ¬ĽMarina¬ę-Orte an den K√ľsten z. B. Kalabriens. Einzelsiedlungen finden sich weit verbreitet im Bereich der Alpen, in der Poebene und in Verbindung mit der jetzt auslaufenden Halbpacht (Mezzadria) in Mittelitalien, ferner in Kampanien und Apulien auch als Weilersiedlung.
 
 
Es besteht Religionsfreiheit. Die rechtliche Gleichstellung der Religionsgemeinschaften ist durch die Verfassung (Art. 8) garantiert. Die Beziehungen zwischen dem Staat und der katholischen Kirche als der gr√∂√üten Religionsgemeinschaft wurden durch das Konkordat von 1984, das die Lateranvertr√§ge abl√∂ste, neu bestimmt. Seither ist die katholische Religion nicht mehr Staatsreligion. An die Stelle des bisher vom Staat gezahlten Finanzausgleichs f√ľr den Unterhalt der Geistlichen trat die Eigenfinanzierung der Kirche durch steuerlich beg√ľnstigte Spenden in H√∂he von 8‚Äį der Lohn- oder Einkommensteuer. Der Religionsunterricht an den √∂ffentlichen Schulen ist fakultativ und wird als konfessioneller katholischer Religionsunterricht angeboten. Kirchlich geschlossene Ehen werden zivilrechtlich anerkannt. Grundlage der Staat-Kirche-Beziehungen zu den anderen Glaubensgemeinschaften sind die zwischen ihnen (als juristische Personen) und dem Staat abgeschlossenen Staatsvertr√§ge. - √úber 95 % der Bev√∂lkerung geh√∂ren (bezogen auf die Taufe) der katholischen Kirche an, 61 500 Katholiken der italoalbanischen Kirche. Selbst bezeichnen sich nur 85-89 % als ¬Ľkatholisch¬ę, dagegen rd. 9 % als ¬Ľkonfessionslos¬ę. Die Mehrheit der √ľber 300 000 Protestanten wird Pfingstkirchen und -gemeinden zugerechnet. Die Waldenser (rd. 30 000 Mitglieder), Methodisten (5 000, seit 1979 mit den Waldensern eine Kirche bildend), Lutheraner und Baptisten (je 7 000) arbeiten im ¬ĽBund der Evangelischen Kirchen Italiens¬ę (¬ĽFederazione delle Chiese Evangeliche in Italia¬ę) zusammen. Die gr√∂√üte nichtchristliche Religionsgemeinschaft bilden die Muslime, deren Zahl auf mindestens 600 000 gesch√§tzt wird, aufgrund der oft illegalen Arbeitsmigration (v. a. aus Nordafrika) aber wohl h√∂her ist. 1995 wurde in Rom f√ľr die dortigen Muslime (damals rd. 50 000) eine Moschee er√∂ffnet. Verbindung mit den √ľber 30 in der ¬ĽBuddhistischen Union Italiens¬ę zusammengeschlossen Zentren pflegen etwa 70 000 den Buddhismus praktizierende beziehungsweise an ihm interessierte Menschen. Die 21 j√ľdischen Gemeinden haben rd. 35 000 Mitglieder. Die gr√∂√üten Einzelgemeinden sind Rom (zugleich die √§lteste j√ľdische Gemeinde Europas) mit rd. 15 000 Mitgliedern und Mailand mit rd. 10 000 Mitgliedern. Die Bahai-Religion z√§hlt rd. 5 000 Mitglieder. Den Zeugen Jehovas, der gr√∂√üten religi√∂sen Sondergemeinschaft in Italien, geh√∂ren etwa 400 000 Menschen an.
 
 
Das Schulwesen ist kommunal, kirchlich beziehungsweise privat und vom Staat kontrolliert. Der Unterricht ist kostenlos; allgemeine Schulpflicht besteht vom 6. bis 14. Lebensjahr. An den f√ľnfj√§hrigen Unterricht der Grundschule (Scuola elementare) schlie√üt sich eine dreij√§hrige Oberstufe (Scuola media) an, der nach Erwerb des Abschlusszeugnisses (Licenza media) eine weitere, in der Regel f√ľnfj√§hrige Ausbildungsstufe (Media superiore) folgen kann. Diese teilt sich in allgemein bildende Schulen, das klassische ¬ĽLiceo¬ę (Gymnasium), naturwissenschaftliche Lyzeen beziehungsweise verschiedene technische Lehranstalten (z. B. f√ľr Landwirtschaft, Handel, Industrie), Gewerbeschulen und Lehrerbildungsanstalten. Die Alphabetisierungsquote betr√§gt 98,3 %. Im terti√§ren Bildungsbereich gibt es √ľber 100 staatliche (und zunehmend auch kleinere private) Einrichtungen, darunter circa 50 Universit√§ten mit 16 ¬Ľdezentralisierten¬ę Fachbereichen und zwei TH (Turin, Mailand). Zahlreiche Universit√§ten sind privat (kirchlich) gef√ľhrt und staatlich anerkannt. Von den √§lteren Universit√§ten sind besonders zu nennen die in Bologna, Florenz, Neapel, Padua und Rom (Sapienza), von den im 20. Jahrhundert gegr√ľndeten die in Mailand und Venedig.
 
 
Presse: Die nationale Presse wird eher von politisch Interessierten gelesen, deckt jedoch auch popul√§re Leserbed√ľrfnisse ab; eine Boulevardpresse vom Typ der britischen ¬ĽSun¬ę oder der deutschen ¬ĽBild¬ę ist in Italien nicht vertreten. Die Verbreitung der Tagespresse weist ein starkes Nord-S√ľd-Gef√§lle auf; der Vertrieb geschieht haupts√§chlich √ľber den Kioskverkauf, nur rd. 7,5 % werden im Abonnement vertrieben. Die Finanzierung der gro√üen Tageszeitungen geschieht zumeist mithilfe von Industriekonzernen, Parteien oder anderen Interessengruppen. Die gro√üen √ľberregionalen Tageszeitungen sind: ¬ĽCorriere della Sera¬ę, Mailand (gegr√ľndet 1876, politische Mitte; Auflage 686 000), ¬ĽLa Repubblica¬ę, Rom (Mitte-links; 598 000), ¬ĽLa Stampa¬ę, Turin (gegr√ľndet 1886, Mitte; 393 000), ¬ĽIl Messaggero¬ę, Rom (gegr√ľndet 1878, Mitte-links; 279 000) und ¬ĽIl Giornale¬ę, Mailand (Mitte-rechts; 226 000), ferner ¬ĽIl Giorno¬ę, Mailand (rd. 95 000), ¬ĽAvvenire¬ę, Mailand (katholisch; rd. 90 000), ¬ĽIl Tempo¬ę, Rom (rd. 70 000) sowie die Wirtschaftszeitung ¬ĽIl Sole - 24 Ore¬ę, Mailand (439 000) und die Sportzeitungen ¬ĽGazetta dello Sport¬ę, Mailand (552 000), ¬ĽCorriere dello Sport¬ę, Rom (409 000) und ¬ĽTuttosport¬ę, Turin (176 000). Neu gegr√ľndet wurde 2000 das rechtsgerichtete Blatt ¬ĽLibero¬ę, w√§hrend im selben Jahr das PDS-Organ ¬ĽL'Unit√†¬ę (gegr√ľndet 1924) eingestellt wurde (2001 als unabh√§ngige Zeitung neu gegr√ľndet). W√§hrend die politische Tagespresse nach Sch√§tzungen nur von einer Minderheit von 8-10 Mio. Italienern gelesen wird, besteht eine hohe Nachfrage nach illustrierten Wochenzeitungen und Magazinen. Mit einer Gesamtauflage von 15 Mio. Exemplaren haben die rd. 50 Titel der Wochenpresse eine doppelt so hohe Auflage wie die Tageszeitungen (knapp 7 Mio.). Im internationalen Vergleich der Lesedichte von Periodika liegt Italien damit auf einem der ersten Pl√§tze. Die gro√üen Zeitungsverlage reagierten deswegen mit der Gr√ľndung von eigenen Wochenbl√§ttern, z. B. ¬ĽSette¬ę (Corriere della Sera), ¬ĽVenerdi¬ę (La Repubblica), ¬ĽSpecchio¬ę (La Stampa). Beliebte Wochenzeitschriften sind das katholische Blatt ¬ĽFamiglia Cristiana¬ę (950 000), die Illustrierten ¬ĽGente¬ę (740 000) und ¬ĽOggi¬ę (700 000) sowie die politischen Nachrichtenmagazine ¬ĽPanorama¬ę (Mitte-rechts; 500 000) und ¬ĽL'Espresso¬ę (Mitte-links; 370 000). - Charakteristisch sind die Verflechtungen mit Industriegruppen und Banken: Die Fiat-Gruppe (Agnelli) ist an der Mediengruppe Rizzoli-Corriere della Sera (RCS), an ¬ĽLa Stampa¬ę und an der Buch- und Zeitschriftengruppe Fabbri beteiligt; der r√∂mische Bauunternehmer F. G. Caltagirone kontrolliert ¬ĽIl Messaggero¬ę und ¬ĽIl Tempo¬ę sowie einen lokalen Fernsehkanal; die Immobiliengruppe C. De Benedetti h√§lt Beteiligungen am r√∂mischen Verlag ¬ĽL'Espresso¬ę mit der gleichnamigen Wochenzeitschrift und der Tageszeitung ¬ĽLa Repubblica¬ę, ferner am Mail√§nder Buch- und Zeitschriftenverlag A. Mondadori. Dem staatlichen Energiekonzern ENI geh√∂rt ¬ĽIl Giorno¬ę. Zum Mischkonzern Fininvest S. p. A. (S. Berlusconi) geh√∂ren Publikumszeitschriften (u. a. ¬ĽTV Sorrisi e Canzoni¬ę, ¬ĽPanorama¬ę), die Tageszeitung ¬ĽIl Giornale¬ę, Beteiligungen an Fernsehgesellschaften (√ľber die Holding Mediaset S. p. A.) sowie am Verlag A. Mondadori.
 
Nachrichtenagenturen
 
sind die genossenschatlichen ANSA (Agenzia Nazionale Stampa Associata), AGI (Agenzia Giornalistica Italia) und IPS (Inter Press Service). - Rundfunk: Die staatliche Rundfunkgesellschaft privaten Rechts ¬ĽRadiotelevisione Italiana¬ę (RAI), gegr√ľndet 1944 als ¬ĽRadio Audizioni Italiane¬ę, Sitz Rom, verbreitet drei landesweite Fernsehprogramme und drei landesweite H√∂rfunkprogramme sowie jeweils mehrere Regionalprogramme. Sie finanziert sich durch Werbung und Geb√ľhren. Mitte der 1990er-Jahre konnte sie ihre bis dahin r√ľckl√§ufigen Zuschauerzahlen stabilisieren; seit 1995 ist ihr Programm wieder das meistgesehene in Italien (Marktanteil 1998: 48,1 %). Seit 1976 ist privater Rundfunk zugelassen. Die verbreitetsten landesweiten Privatsender sind die drei zum (b√∂rsennotierten) Fininvest-Konzern Berlusconis geh√∂renden Kan√§le ¬ĽCanale 5¬ę, ¬ĽRete 4¬ę und ¬ĽItalia 1¬ę, seit 1996 in der Holding Mediaset zusammengefasst (Marktanteil 1998: 41,6 %). 2000 √ľbernahm die Mediengruppe Seat Pagine Gialle S. p. A. die Mehrheit an den Fernsehsendern ¬ĽTelemontecarlo¬ę und ¬ĽTelemontecarlo 2/Videomusic¬ę (Marktanteil 1998: 2,5 %) des Medienunternehmers Cecchi Gori; die geplante Fusion von Seat Pagine Gialle und dem Internetanbieter Tin.it (Telecom Italia), durch die ein die Bereiche Fernsehen, Telekommunikation und Internet umfassendes Unternehmen entsteht, d√ľrfte zur Etablierung einer dritten Kraft neben dem langj√§hrigen Duopol RAI/Mediaset f√ľhren. Daneben existieren Hunderte von privaten werbefinanzierten Lokalsendern; im H√∂rfunkbereich gibt es 14 landesweite sowie rd. 2 000 lokale Sender. - Die Einsetzung einer neuen unabh√§ngigen Medienaufsichtsbeh√∂rde (Autorit√†) 1997, durch die u. a. die Einflussnahme der Regierung auf die RAI einged√§mmt werden sollte, hatte nicht den erhofften Erfolg. Durchgesetzt wurde hingegen 2000 ein Gesetz, das den politischen Parteien bezahlte Wahlwerbespots im landesweiten Fernsehen verbietet. - Von den 20,66 Mio. Fernsehhaushalten in Italien verf√ľgt (Mitte 2000) der weitaus gr√∂√üte Teil (89,1 %) √ľber terrestrischem Empfang, 10,5 % haben Satelliten- und 0,4 % Kabelempfang. Die Ausstrahlung von terrestrischem Pay-TV begann 1991 mit drei (seit 1998 zwei) Kan√§len des Senders Telepi√Ļ (Gesellschafter: 90 % Canal plus S. A., 10 % Berlusconi); digitales Pay-TV startete 1996 mit dem Programmpaket ¬ĽD+¬ę (99 % Canal plus, 1 % RAI). Als Gegenpol agiert seit 1998 die Gesellschaft Stream (je 50 %Telecom Italia und R. Murdoch).
 
 Wirtschaft und Verkehr:
 
 
Mit einem Bruttosozialprodukt (BSP) je Einwohner von (1999) 23 065 US-$ (Deutschland: 23 819 US-$, Frankreich: 22 068 US-$) ist Italien nach Deutschland, Gro√übritannien und Frankreich die viertgr√∂√üte wirtschaftliche Kraft der EU-Staaten. Italien ist ein Industriestaat mit einem marktwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftssystem, dessen besonderes Kennzeichen die starke Beteiligung des Staates an der F√ľhrung der gro√üen Industriebetriebe ist. Die √∂ffentliche Hand hat ihre Befugnisse an mehrere staatliche Holdinggesellschaften delegiert, die f√ľr die T√§tigkeit bestimmter Industriezweige und ihrer Nebenbetriebe zust√§ndig sind. Damit unterstehen nicht nur die √∂rtlichen Versorgungsbetriebe, Eisenbahnen und Luftfahrtgesellschaften, sondern auch Gro√übanken und Versicherungen staatlicher Einflussnahme.
 
Den √úbergang vom Agrar- zum Industriestaat hat Italien, beg√ľnstigt durch starke staatliche Einflussnahme, schon relativ fr√ľhzeitig vollzogen. Bereits 1933 entstand das Istituto per la Ricostruzione Industriale (IRI) zur Unterst√ľtzung der Banken durch Erwerb von Wertpapieren und Beteiligungen an Unternehmen. Die zweite Holdinggesellschaft Ente Nazionale Idrocarburi (ENI) wurde 1953 gegr√ľndet und befasst sich besonders mit der Entwicklung der Energiewirtschaft. ENI und IRI wurden seit ihrer Gr√ľndung v. a. dazu benutzt, staatliche Investitionslenkung zu betreiben, und sind damit bis zur Gegenwart wichtige Instrumente der Wirtschaftspolitik.
 
Mit dem Abbau staatlicher Einflu√ünahme wurde in Italien relativ sp√§t begonnen. 1990 wurde erstmals ein Privatisierungskonzept vorgelegt und 1992 ein darauf aufbauenden Gesetz verabschiedet. Dies f√ľhrte zur Beendigung des Monopols in der Telekommunikation und zu deutlichen Fortschritten bei der Abschaffung des Monopols in der Elektrizit√§tserzeugung und -verteilung. Auch in anderen Bereichen wurde mit dem Abbau staatlicher Beteiligungen begonnen, entscheidende Durchbr√ľche bliben bisher aber aus. Wichtigste wirtschaftspolitische Problembereiche zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit (2001: 9,8 %), das krasse Nord-S√ľd-Gef√§lle und der andauernde Reformstau (√ľberf√§llige Renten-, Steuer- und Arbeitsmarktreform). Trotz nationaler F√∂rderung und starker Unterst√ľtzung mit Investitionshilfen durch die EU zur wirtschaftlichen Entwicklung S√ľditaliens (Mezzogiorno) sowie andauernder Wanderungsbewegung von S√ľd- nach Mittel- und Norditalien sowie ins Ausland konnte das Einkommensgef√§lle zwischen dem wohlhabenden Norden und dem √§rmeren S√ľden nicht entscheidend vermindert werden. Im S√ľden des Landes ist die Arbeitslosenquote rund vier mal so hoch wie im Landesdurchschnitt. V. a. im Mezzogiorno liegt die Besch√§ftigungsquote f√ľr Frauen und Jugendliche etwa 20 % niedriger als im europ√§ischen Durchschnitt. Die Infrastrukturausstattung des S√ľdens ist unterdurchschnittlich und das organisierte Verbrechen stellt sich nach wie vor als Hemmschuh f√ľr die wirtschaftliche Entwicklung dar.
 
Mit einem Anteil des Staatshaushaltes am Bruttoinlandsprodukt (BIP) von (2000) 47,8 % liegt die Staatsquote in Italien etwa so hoch wie in Deutschland. Die Abgabenquote von (2000) von 43 % liegt im europ√§ischen Mittelbereich. Die √∂ffentlichen Schulden erreichten 2000 ein Volumen von 110,2 % des BIP (1980: 59 %). Dieser Spitzenwert wird in der EU nur noch von Belgien (110,8 %) √ľbertroffen. Das Haushaltsdefizit hatte in den 1980er- Jahren bis in die 1990er-Jahre hinein einen Anteil am BIP zwischen 9 und 12 %; danach konnte es dank eines rigorosen Konsolidierungsprogramms immer weiter abgebaut werden. F√ľr das Jahr 2001 wurde nur noch ein Defizitanteil von 0,8 % des BIP angestrebt. Damit geh√∂rt dieses Programm zu den erfolgreichsten Ma√ünahmen der italienischen Wirtschaftspolitik √ľberhaupt. Von allen Mitgliedsl√§ndern der OECD war die italienische Wirtschaftspolitikin den 1990er-Jahren in dieser Hinsicht mit am erfolgreichsten. Das angestrebte Ziel, die Staatsausgaben im Gleichklang mit der Inflationsrate zu erh√∂hen, konnte bisher jedoch noch nicht erreicht werden; die Deckungsl√ľcken im Etat wurden in den letzten Jahren im Wesentlichen durch Privatisierungserl√∂se geschlossen.
 
 
Die Landwirtschaft besitzt noch immer einen beachtlichen Stellenwert. Im Jahr 2000 waren 5,3 % aller Besch√§ftigten in der Landwirtschaft t√§tig, sie trug aber im gleichen Jahr nur mit 2,4 % zur Entstehung des BIP bei. Die stark divergierenden Quoten sind Abbild des starken strukturellen und regionalen Ungleichgewichts. Gro√üe klimatische Unterschiede pr√§gen den Agrarsektor. Im Norden schwanken die mittleren Temperaturen zwischen ‚ÄĒ11 ¬ļC und +35 ¬ļC, im S√ľden zwischen 8 ¬ļC und 40 ¬ļC. Die Niederschl√§ge liegen zwischen 500 und 2 000 mm. Etwa 16,79 Mio. ha, das sind 56,3 % der Landesfl√§che, werden 1997 landwirtschaftlich genutzt; davon entfallen 53 % auf Ackerland, der Rest auf Dauerkulturen (Rebfl√§che und Olivenhaine) und Gr√ľnland. Kleine und kleinste Betriebe dominieren in der Betriebsgr√∂√üenstruktur. Italien verf√ľgt zahlenm√§√üig mit (2000) 2,27 Mio. √ľber die meisten landwirtschaftlichen Betriebe aller EU-L√§nder.
 
Hauptanbauprodukte sind Getreide; Frischobst und Gem√ľse sowie Wein und Oliven. In S√ľdtirol befindet sich das gr√∂√üte geschlossene Anbaugebiet f√ľr Kernobst (v. a. √Ąpfel) in Europa. Die fruchtbare Poebene und die der adriatischen K√ľste zugeneigten Zonen sind Zentren des Weizen- und Hybridmaisanbaus, w√§hrend Landmais auf den weniger fruchtbaren, nicht bew√§sserten B√∂den im S√ľden angebaut wird. Die aus Landmais bereitete Polenta ist besonders in der Lombardei und Venetien ein Grundnahrungsmittel. In der Poebene und auf Sardinien wird auch Reis angebaut (Italien ist gr√∂√üter Reisproduzent Europas). Nach den Zuckerr√ľben nimmt der Tabakanbau die gr√∂√üte Fl√§che unter den Handelsgew√§chsen ein. Tabak wird √ľberwiegend in Apulien und Kampanien angepflanzt. Kartoffeln werden in allen Teilen des Landes angebaut, spielen aber als Nahrungs- und Futtermittel eine weit geringere Rolle als in Mitteleuropa. Wichtigstes Gem√ľse ist die Tomate. Ihr folgt die Artischocke, die f√ľr den Frischverzehr, aber auch als Konserve und f√ľr die Getr√§nkeherstellung (Cynar) von Bedeutung ist. Zitrusfr√ľchte werden zu drei Vierteln auf Sizilien gezogen. Olivenkulturen finden sich mit Ausnahme von Oberitalien dagegen landesweit, ebenso wie Weinbau (italienische Weine). Zusammen mit Frankreich ist Italien im Weinbau weltweit f√ľhrend.
 
Die Viehwirtschaft (Rinder- und Schweinezucht) hat v. a. im n√∂rdlichen Italien Bedeutung. Im S√ľden werden √ľberwiegend Schafe und Ziegen gehalten. H√§ute, Felle, Wolle und K√§se sind die wichtigsten tierischen Ausfuhrprodukte.
 
 
Etwa ein F√ľnftel der Gesamtfl√§che ist bewaldet, gro√üe Teile davon bestehen jedoch aus Baumgruppen oder minderwertigem Geb√ľsch. Die bereits in der R√∂merzeit beginnende √úbernutzung der W√§lder kann nur allm√§hlich durch Aufforstungen √ľberwunden werden.
 
 
Mit der Fischereiflotte werden in der K√ľstenfischerei Meeresfische, Weichtiere und Schalentiere angelandet.
 
 
Italien ist ein rohstoffarmes Land. Die Erd√∂lreserven werden auf (1999) 91 Mio. t gesch√§tzt. Die derzeitige Jahresf√∂rderung von 5,5 Mio. t stammt v. a. aus dem Feld von Gela in S√ľdsizilien. Gr√∂√üere Vorkommen an Erd√∂l wurden, neben Erdgas, in der Provinz Bergamo festgestellt. Erdgas wird vornehmlich in der Poebene (knapp die H√§lfte der Gesamtf√∂rderung), in Mittelitalien und Apulien gef√∂rdert. Au√üerdem werden untermeerische Vorkommen in der n√∂rdlichen Adria und im Ionischen Meer abgebaut (Gesamtf√∂rdermenge 1994: 20,3 Mrd. m3). Die F√∂rderung von Erd√∂l und Erdgas liegt haupts√§chlich in H√§nden des staatlichen Konzerns ENItalien Auch die im Land gef√∂rderte Braunkohle kann nur einen kleinen Teil des Bedarfs decken. Au√üer Brennstoffen sind im Bergbau noch Quecksilber (Italien ist eines der Hauptf√∂rderl√§nder der Erde), Antimonerz, Schwefel (Pyrit) und Marmor von Bedeutung. Abgebaut werden au√üerdem Blei-, Zink- und Manganerz sowie Steinsalz und Gips. In der norditalienischen Provinz Bergamo lagern etwa 1 500 t Uranoxid.
 
 
Die Energieversorgung basiert im Wesentlichen auf importierter Steinkohle und importiertem Erd√∂l. Die installierte Leistung der Kraftwerke betr√§gt (2000) 65 513 MW. Davon entfallen 79 % auf W√§rmekraftwerke und 20 % auf Wasserkraftwerke. Die Kernkraftwerke (1987 waren noch vier in Betrieb) sind inzwischen aus politischen Gr√ľnden und wegen Erdbebengefahr der Standorte abgeschaltet worden.
 
 
Im produzierenden Sektor (einschlie√ülich Bergbau, Energie- und Bauwirtschaft) sind (2000) 32,1 % aller Besch√§ftigten t√§tig; er tr√§gt mit 31 % zum BIP bei. Die Wirtschaftszentren liegen im Norden des Landes. Das wichtigste industrielle Ballungsgebiet wird vom Stadtdreieck Turin-Genua-Brescia gebildet. Mit Mailand als Mittelpunkt reichen seine Ausl√§ufer bis nach Venetien. Die seit den 50er-Jahren andauernden Versuche, auch den wirtschaftlich r√ľckst√§ndigen S√ľden Italiens (Mezzogiorno) zu industrialisieren, haben bisher keinen durchgreifenden Erfolg gebracht. Die wichtigsten Zweige der verarbeitenden Industrie sind die Metallurgie, im Bereich der Metallverarbeitung der Kraftfahrzeug- und Schiffbau, der Maschinenbau und die Herstellung elektrotechnischer Erzeugnisse, ferner die chemische Industrie, Reifenproduktion, Nahrungs- und Genussmittelindustrie (u. a. Teigwaren, Obst-, Gem√ľse-, Fischkonserven, Speise√∂l, K√§se, Wein), Zementindustrie sowie Textil- und Bekleidungs-, insbesondere die Schuhindustrie. Eine alte Tradition besitzt die Seidenindustrie mit dem Zentrum Como; sie ist in Westeuropa f√ľhrend. Ber√ľhmt ist das italienische Kunsthandwerk mit Zentren in Florenz und Venedig.
 
In der Rohstahlerzeugung hat Italien mit (19983) 25,7 Mio. t weltweit einen Anteil von 3,3 % und liegt hinter Deutschland an 2. Stelle in der EU. Die italienische Automobilindustrie, v. a. durch Fiat vertreten, nimmt mit einer Produktion von (1998) 1,4 Mio. Pkw den 5. Platz in der EU ein. Im Schiffbau liegt Italien mit einem Anteil von (1999) 2,9 % erstellter Schiffstonnage an 4. Stelle der Schiffbaunationen und an 1. Stelle in der EU. Mit an f√ľhrender Stelle in der Welt liegt die chemische Industrie.
 
Die Gr√∂√üenstruktur der Industrieunternehmen ist sehr heterogen. Es gibt eine Reihe von technologisch hoch stehenden, kapital- und umsatzstarken Gro√ükonzernen, von denen einige Weltgeltung besitzen, vorherrschend ist jedoch der h√§ufig recht patriarchalisch gef√ľhrte Kleinbetrieb, der sich bei vielen Arbeitskonflikten und in unterschiedlichen Konjunkturlagen als au√üerordentlich anpassungsf√§hig erwiesen hat.
 
 
Im Dienstleistungssektor sind (2000) 62,6 % aller Besch√§ftigten t√§tig; der Beitrag zur Entstehung des BIP betr√§gt 66,8 %. Gro√üen Anteil daran hat der Tourismus. Abwechslungsreiche Landschaften (z. B. Alpen, Adriak√ľste, Riviera), ausgezeichnete touristische Einrichtungen, die Vielseitigkeit der K√ľche, hervorragende Weine sowie zahlreiche historische St√§tten und reiche Kunstsch√§tze locken j√§hrlich etwa 55 Mio. Auslandsg√§ste ins Land, v. a. aus der Schweiz, aus Deutschland, aus Jugoslawien und Frankreich.
 
 
Die Handelsbilanz weist nach zumeist betr√§chtlichen Defiziten in den 1980er-Jahren seit Beginn der 1990er-Jahre leichte √úbersch√ľsse auf. Exporten im Werte von (2000) 236,6 Mrd. US-$ stehen Importe von 235,3 Mrd. US-$ gegen√ľber. Hauptausfuhrg√ľter sind Erzeugnisse des Maschinenbaus und der Elektrotechnik, Stra√üenfahrzeuge, chemische Erzeugnisse, Textilien und Schuhe sowie Nahrungsmittel. Auf der Importseite dominieren Rohstoffe wie Holz und Erze, mineralische Brennstoffe, chemische Erzeugnisse, Erzeugnisse des Maschinenbaus und der Elektrotechnik, Stra√üenfahrzeuge, EDV-Maschinen, Ger√§te f√ľr die Nachrichtentechnik sowie Pr√ľf- und Kontrollinstrumente. Haupthandelspartner sind die EU-L√§nder. Aus ihnen werden (1999) knapp 61 % der Importe bezogen. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren st√§ndig angestiegen. 57,3 % der Ausfuhren gehen in die EU. Sowohl auf der Einfuhr- als auch auf der Ausfuhrseite ist Deutschland seit langem der wichtigste Handelspartner. Die Auslandsinvestitionen liegen in Italien auf niedrigem Niveau. Der schwerf√§llige b√ľrokratische Apparat, √ľberm√§√üig hohe Steuerlasten und rigide Verh√§ltnisse am Arbeitsmarkt bremsen die Investitionslust ausl√§ndischer Unternehmen. Deutschland und Frankrreich sind die beliebtesten Investitionsstandorte italienischer Unternehmen.
 
Verkehr:
 
Italien verf√ľgt √ľber ein gut ausgebautes Verkehrsnetz. Die Streckenl√§nge der Eisenbahn bel√§uft sich auf 16 100 km, wovon rd. 10 000 km elektrifiziert sind. Wichtige Eisenbahnlinien f√ľhren, zum Teil durch Tunnel, von Mitteleuropa in die Poebene. Die Alpen√ľberg√§nge haben sowohl f√ľr den Personen- wie f√ľr den G√ľterfernverkehr erhebliche Bedeutung. Das Hochgeschwindigkeitsnetz befindet sich noch im Aufbau.
 
Das Stra√üennetz hat eine L√§nge von (1997) knapp 655 000 km; davon entfallen rd. 1 % auf Autobahnen und 7 % auf Nationalstra√üen. Mit seinem modern ausgebauten Autobahnnetz nimmt Italien, gemessen an der Gesamtl√§nge, in Europa nach Deutschland, Frankreich und Spanien den 4. Rang ein. Das Netz wird planm√§√üig um neue Autobahnen erweitert und in seiner Leistungsf√§higkeit verbessert. Bis auf einige Strecken in S√ľditalien sind die Autobahnen geb√ľhrenpflichtig. 1998 wurden 34,3 Mio. Kraftfahrzeuge verzeichnet, darunter 31,4 Mio. Personenkraftwagen. Die Pkw-Dichte betr√§gt (1998) 596 Pkw je 1 000 Einwohner. Italien hat damit nach Luxemburg und vor Deutschland die zweitgr√∂√üte PKW-Dichte der EU-Staaten.
 
Die Handelsflotte nahm von 1980 bis 2000 deutlich ab. Mit einer Flottengr√∂√üe von 9,44 Mio. BRZ (2000; 1980: rd. 11 Mio. BRT) nimmt Italien nur noch den 20. Rang unter den f√ľhrenden Schifffahrtsl√§ndern ein (Anteil an der Welthandelstonnage: 1,2 %; Deutschland: 24. Rang mit einem Anteil von 0,9 %). Wichtigste H√§fen im G√ľterverkehr sind Genua, Triest und Neapel. Von Triest und Genua f√ľhren Roh√∂lpipelines (TAL beziehungsweise CEL) nach Ingolstadt.
 
Wie in anderen europ√§ischen L√§ndern gewinnt der Luftverkehr zunehmend an Bedeutung. Wichtigste Fluggesellschaft ist die Alitalia. Die bedeutendsten internationalen Flugh√§fen sind Fiumicino (¬ĽLeonardo da Vinci¬ę) bei Rom, Linate in und Malpensa bei Mailand, Capodichino bei Neapel, Caselle bei Turin, ¬ĽMarco Polo¬ę bei Venedig und Rimini.
 
 Geschichte:
 
Das Gebiet des heutigen italienischen Staates bildete in nachantiker Zeit bis zum Jahre 1870 keine staatliche Einheit. Der urspr√ľnglich nur geographisch verstandene Begriff Italien gewann politische Bedeutung seit dem 12. Jahrhundert; ungeachtet der staatlichen Zersplitterung wurde, nicht zuletzt durch die gemeinsame Sprache, ein Gemeinschaftsgef√ľhl der Landesbewohner fassbar.
 
Zur Vorgeschichte Mittelmeerraum; Eisenzeit, Etrusker. Zur Geschichte bis 476 n. Chr. römische Geschichte, Römisches Reich; Italia.
 
 Vom Ende des Weströmischen Reiches bis zum Eingreifen Ottos Italien (476-951)
 
Mit dem Niedergang des R√∂mischen Reiches in der Sp√§tantike wurde Italien Kampfplatz ausw√§rtiger M√§chte; die Bev√∂lkerung nahm ab und verelendete. In dem stark barbarisierten Heer dominierten Germanen, l√§ngst bevor sie die Herrschaft selbst √ľbernahmen. 476 endete das westr√∂mische Teilkaisertum, als der Skire Odoaker Kaiser Romulus Augustulus absetzte. Trotzdem erwies sich auch in sp√§terer Zeit (besonders im Hochmittelalter, in der Renaissance und wieder zur Zeit des Risorgimento) die r√∂mische Reichs- und Kulturtradition als wirkungsm√§chtig.
 
Odoaker wurde durch den Ostgoten Theoderich der Gro√üe (in der Sage: Dietrich von Bern) in byzantinischem Auftrag 493 besiegt und ermordet; eine kurze Friedenszeit begann, aber trotz wirkungsvoller Ma√ünahmen f√ľr wirtschaftliche Besserung und traditionsbewusster Kulturpflege (Boethius, Cassiodor) scheiterten die Ostgoten v. a. am Gegensatz zwischen ihrem arianischen Bekenntnis und dem Katholizismus der Masse der Bev√∂lkerung. Nach Theoderichs Tod (526) und dem schwachen Regiment seiner Tochter Amalasuntha erneuerten die Feldherren Kaiser Justinians I., Belisar und Narses, durch einen Vernichtungskrieg 535-553 die ostr√∂mische Herrschaft √ľber Italien, das wegen der Kriegsfolgelasten und √ľberh√∂hter Besteuerung einen wirtschaftlichen und kulturellen Tiefstand erreichte. 568 brach der germanische Stamm der Langobarden in Oberitalien ein. Sie besetzten die Poebene mitsamt der Toskana, gr√ľndeten ein K√∂nigreich mit der Hauptstadt Pavia und drangen bis 650 nach Mittelitalien vor (Gr√ľndung der Herzogt√ľmer Spoleto und Benevent). In Unteritalien, den Gebieten um Rom und Ravenna sowie einigen K√ľstenstrichen (Genua, Venedig) dauerte die byzantinische Herrschaft zun√§chst noch an. Gegen die langobardische Bedrohung riefen die P√§pste (Gregor III., Stephan II.) die Franken zu Hilfe, da sie wegen des Bilderstreites keinen R√ľckhalt mehr in Byzanz fanden. Die Pippinsche Schenkung (754) sicherte dem Papsttum den Besitz von Rom, Ravenna u. a. zu; sie wurde zur Grundlage des Kirchenstaates. Karl der Gro√üe eroberte 774 das langobardische K√∂nigreich und machte das Herzogtum Spoleto zur fr√§nkischen Mark. Die Herz√∂ge von Benevent blieben selbstst√§ndig. Unter Karls Sohn Ludwig dem Frommen begann man, das oberitalienische K√∂nigreich als ¬ĽReichsitalien¬ę zu bezeichnen.
 
Die islamische Ausbreitung, die w√§hrend des 8. Jahrhunderts die Einheit des Mittelmeerraumes sprengte, bedrohte im 9. Jahrhundert verst√§rkt auch Italien. Die Sarazenen eroberten 810 Sardinien und Korsika, 827-902 Sizilien. Der letzte K√∂nig von Italien und Kaiser aus karolingischem Haus, Ludwig II. (855-875; in zeitgen√∂ssischen Quellen ¬ĽImperator Italiae¬ę genannt, da seine Regierungst√§tigkeit auf die Apenninenhalbinsel beschr√§nkt blieb), und Papst Johannes VIII. (872-882) hatten mit ihnen zu k√§mpfen.
 
Seit dem Tod Ludwigs II. wurden die Kaiserw√ľrde und die Krone Reichsitaliens zum Spielball meist nur kurzzeitig regierender in- und ausl√§ndischen F√ľrsten, dabei vollendete sich die Feudalisierung Ober- und Mittelitaliens. Die Sarazenengefahr lie√ü nicht nach; seit 889 begannen zudem die Ungarn, ihre Raubz√ľge bis nach Oberitalien auszudehnen. Auch die s√ľddeutschen Herz√∂ge griffen in die unabl√§ssigen Auseinandersetzungen ein, was Otto I. 951 dazu bewog, selbst aktive Italienpolitik zu betreiben. Er verm√§hlte sich mit Adelheid, der Witwe des kurzzeitigen italienischen K√∂nigs Lothar von Niederburgund.
 
 Italien unter den deutschen Herrschern (951-1254)
 
Anf√§nglich versuchte Otto, √ľber den 951 besiegten, aber in Gnaden mit Italien belehnten Berengar II. als Unterk√∂nig Reichsitalien zu regieren. Als Papst Johannes XII. sich jedoch durch Berengar bedroht f√ľhlte, rief er Otto zu Hilfe und bot ihm die Kaiserkrone an. Am 2. 2. 962 wurde Otto als Nachfolger Karls des Gro√üen in Rom gekr√∂nt und gesalbt. Als Folge der schwachen kaiserlichen Machtbasis in Ober- und Mittelitalien mussten sich die deutschen Herrscher auf einheimische F√ľrsten und M√§chtige st√ľtzen; v. a. √ľbernahmen die Bisch√∂fe auch politisch-milit√§rische Rechte und Pflichten. Zahlreiche von ihnen wurden von der Krone eingesetzt.
 
Mit Beginn der Kreuzz√ľge setzte eine st√ľrmische Aufw√§rtsbewegung der St√§dte ein. Schon seit der Antike lag der Grad der Urbanisierung in Italien erheblich h√∂her als n√∂rdlich der Alpen. Nun dr√§ngten die B√ľrger vermehrt nach Autonomie. W√§hrend der Auseinandersetzungen des Investiturstreites verlieh Kaiser Heinrich IV. Lucca und Pisa weit reichende Rechte, andernorts eignete sich die B√ľrgerschaft das Regiment gewaltsam an. Als mit dem Wormser Konkordat (1122) der Investiturstreit endete und die Krone nicht l√§nger auf die Bestellung der Bisch√∂fe Einfluss nehmen konnte, waren die autonomen Stadtgemeinden bereits politisch weitgehend an deren Stelle getreten. Die kommunale Bewegung ergriff selbst Rom; die Predigten des Arnold von Brescia verst√§rkten die stadtrepublikanischen Intentionen und die Kritik an der verweltlichten Kirche.
 
In Unteritalien hatten sich seit Beginn des 11. Jahrhunderts einzelne Gruppen von Normannen festgesetzt. Sie weiteten ihre Macht auf Kosten der langobardischen Herz√∂ge, der Byzantiner und schlie√ülich auch der Sarazenen immer weiter aus. Herzog Robert Guiscard trieb bereits eine den gesamten Mittelmeerraum einbeziehende Politik, die v. a. gegen Byzanz gerichtet war. √úbergriffe gegen√ľber dem Kirchenstaat f√ľhrten wiederholt zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den P√§psten, die bei den Kaisern R√ľckhalt suchten; mehrfach drangen deutsche Heere weit in den S√ľden der Apenninenhalbinsel vor. Dazwischen lagen Zeiten, in welchen die Normannen die P√§pste unterst√ľtzten, wenn diese in Spannungen mit den Kaisern gerieten. Robert Guiscard wurde 1059 p√§pstlicher Vasall; er rettete 1085 Papst Gregor VII. vor dem Heer Heinrichs IV. Vor allem erwies sich Roger II. als geschickter, wenn auch skrupelloser Politiker und wirkungsvoller Regent. Unter ihm wurde Sizilien - d. h. ganz Unteritalien unter Einschluss der Insel - K√∂nigreich, die Belohnung des Gegenpapstes Anaklet II. f√ľr seinen einzigen Bundesgenossen. Nach siegreicher Schlacht erpresste Roger im Vertrag von Mignano (1139) seine Anerkennung von dem rechtm√§√üigen Papst Innozenz II. Eine kraftvolle, f√ľr jene Zeit h√∂chst ungew√∂hnliche Monarchie war entstanden, die durch ihre eklektische Kultur und die gegen√ľber Sarazenen, Juden und Griechen gewahrte Toleranz, aber auch durch die Konzentration der Machtmittel in der Hand der Krone einzigartig war.
 
Friedrich I. Barbarossa hatte dem Papsttum versprochen, nach der Kaiserkr√∂nung (1155) gegen die Normannen vorzugehen, doch verweigerten ihm die deutschen F√ľrsten ihre Unterst√ľtzung. In sechs Italienz√ľgen bem√ľhte sich der Kaiser seit 1154, die Herrschaft in Ober- und Mittelitalien neu zu konsolidieren. Trotz spektakul√§rer Erfolge (u. a. Kapitulation und Schleifung Mailands 1162) scheiterte er letztlich an der Macht des mit dem Papsttum verb√ľndeten Lombardenbundes. Dennoch erzielte er betr√§chtliche Gewinne. 1183 wurde in Piacenza und Konstanz Frieden geschlossen. Die Stauferherrschaft √ľber Italien schien durch die Heirat des Thronfolgers Heinrich VI. mit Konstanze, der Erbtochter Rogers II., entscheidend gefestigt. Aber das Papsttum konnte sich nicht damit abfinden, dass der Kirchenstaat von der Kaisermacht im Norden und S√ľden umklammert wurde. Nach Heinrichs fr√ľhem Tod (1197) versuchte Innozenz III., die staufische Einkreisung zu sprengen und die weltliche Herrschaft des Apostolischen Stuhles zu festigen. Die Interessenkonflikte zwischen p√§pstlicher und weltlicher Macht brachen unter Friedrich II. offen aus. Das Programm des Kaisers zur Wiederherstellung des Imperiums scheiterte mit seinem Tod 1250. Sein einziger legitimer Sohn Konrad IV. erlag schon 1254 einer Infektionskrankheit, die Herrschaft in Sizilien kam an seinen Halbbruder Manfred, der keine Erbanspr√ľche auf Deutschland und Reichsitalien erheben konnte.
 
 Mittel- und Kleinstaaten in Spätmittelalter und Renaissance (1254-1494)
 
Der Tod Friedrichs II. und Konrads IV. bedeutete den Zusammenbruch der Kaisermacht in Ober- und Mittelitalien. Auch in Unteritalien konnten sich die Staufer nicht halten. Manfred fiel 1266 in der Schlacht bei Benevent gegen Karl von Anjou, den Thronkandidaten der P√§pste. Auch der Versuch von Konrads IV. Sohn Konradin, das unteritalische Erbe zu gewinnen, scheiterte; der letzte legitime Staufer wurde 1268 in Neapel √∂ffentlich enthauptet. Mit dem Wegfall der Reichsgewalt zersplitterten in Oberitalien und der Toskana die politischen Herrschaften, zumal auch die St√§dte in Parteik√§mpfe verstrickt waren (Guelfen und Ghibellinen). Die Zersplitterung machte es vielerorts notwendig, durch die √úbertragung au√üerordentlicher, diktatorischer Befugnisse auf Partei- oder S√∂ldnerf√ľhrer inneren Frieden zu erzwingen; in zahlreichen Stadtstaaten f√ľhrte dies zum zeitweiligen oder dauernden Verlust der Autonomie. Das Amt des Stadtherrn (¬ĽSignore¬ę) bildete somit eine √úbergangserscheinung bei der Verfassungsentwicklung von der Stadtrepublik zum erblichen F√ľrstenstaat.
 
Anf√§nglich wurde dieser Prozess durch die Macht der Anjouk√∂nige Unteritaliens gebremst, denn K√∂nig Karl I. versuchte auch au√üerhalb seines unmittelbaren Herrschaftsbereiches, die Verh√§ltnisse in seinem Sinn zu gestalten. Aber auf Sizilien erregten sein hartes Regiment und die √úbergriffe der franz√∂sischen Besatzungssoldateska den Volkszorn, der sich in der Sizilianischen Vesper (30. 3. 1282 entlud. Kurz darauf landete K√∂nig Peter III. von Aragonien, der aufgrund der staufischen Abstammung seiner Gemahlin Erbanspr√ľche erhob, in Trapani. Nach langen K√§mpfen kam es 1302 und erneut 1372 zum Friedensschluss: Fortan bildete Sizilien eine aragonesische Sekundogenitur, w√§hrend das festl√§ndische K√∂nigreich Neapel den Anjou verblieb. Als diese franz√∂sische Dynastie 1435 ausstarb, traten die Aragonesen das Erbe an, ganz S√ľditalien war nun spanischem Kultureinfluss ausgesetzt.
 
Erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts sahen sich die deutschen K√∂nige in der Lage, die Italienpolitik wieder aufzunehmen. Aber Heinrichs VII. Aktivit√§t, die Dante Alighieri mit begeisterten Worten gefordert und begr√ľ√üt hat, wurde durch den fr√ľhen Tod des Luxemburgers (1313) zunichte gemacht; der Romzug Ludwigs des Bayern, gegen den Willen des Papstes 1327-30 durchgef√ľhrt, zwar denkw√ľrdig wegen der Kaiserkr√∂nung durch S. Colonna als Vertreter des r√∂mischen Volkes, blieb politisch weithin folgenlos, und die sp√§teren Romz√ľge Karls IV., Siegmunds und Friedrichs III. gemahnten die Zeitgenossen mehr an Repr√§sentationsreisen denn an politisch-milit√§rischen Unternehmungen. Das Kaisertum war endg√ľltig aus dem politischen Kr√§ftespiel der Apenninenhalbinsel ausgeschieden.
 
Auch in Mittelitalien hatte die Krise der Universalgewalten zeitweilig erhebliche Folgen. Das Papsttum unter dem machtbewussten Bonifatius VIII. war in einen scharfen Konflikt mit Frankreich geraten; 1305 √ľbersiedelten die P√§pste auf franz√∂sischem Druck f√ľr 70 Jahre nach Avignon. Trotz weit reichenden milit√§rischen und finanziellen Engagements der Kurie l√∂ste sich der Kirchenstaat faktisch in eine Vielzahl unabh√§ngiger Stadtrepubliken und kleinerer Herrschaften auf. Der Konsolidierungsversuch des spanischen Kardinals G. Albornoz endete nach dessen Tod 1367, brachte aber dem Kirchenstaat eine Anzahl wirkungsvoller Gesetze, die bis ins 19. Jahrhundert in Kraft blieben. Das Abendl√§ndische Schisma (1378-1417) war mit weiteren R√ľckschl√§gen verbunden. Erst das Renaissancepapsttum von Martin V. bis zu Julius II. nahm die F√∂rderung der staatlichen Organisation des Gebiets wieder auf; doch blieb der Kirchenstaat bis zum Risorgimento ein r√ľckst√§ndiges, im Ganzen schlecht verwaltetes Gebilde.
 
In der Poebene und der Toskana verringerte sich im Laufe des 14. Jahrhunderts die √úberzahl faktisch unabh√§ngiger Stadtstaaten und Herrschaften. Einige alte F√ľrstenh√§user wie das Haus Savoyen in Piemont erweiterten erfolgreich ihren Machtbereich; v. a. gelangten mehrere Signorien zu weit gespannter Territorialherrschaft und schlie√ülich zu landesf√ľrstlicher W√ľrde. Namentlich die Visconti von Mailand, die Este von Ferrara, Modena und Reggio, die Gonzaga von Mantua und - wenigstens zeitweilig - die Scaliger von Verona und die Carrara von Padua errichteten echte Fl√§chenstaaten. Von epochaler Bedeutung wurde, dass der aristokratisch geleitete Inselstaat Venedig bald nach 1400 erfolgreich daran ging, auf dem Festland, der Terraferma, ein umf√§ngliches Territorium zu erwerben. W√§hrend der ersten H√§lfte des 15. Jahrhunderts konzentrierte sich die politisch-milit√§rische Macht auf der Halbinsel in den folgenden Staaten: im Herzogtum Mailand der Visconti, in der Republik Venedig, im florentinischen Stadtstaat der Medici, der √§u√üeren Form nach noch ein republikanisches Gebilde, im Kirchenstaat und den beiden unteritalischen K√∂nigreichen Neapel und Sizilien, die 1435 zusammengefasst wurden. Im Gleichgewicht dieser M√§chte sahen scharfsinnige Zeitgenossen den Frieden Italiens verb√ľrgt; v. a. die geschickte Politik Cosimos de' Medici war auf dieses Ziel gerichtet. Es fehlte zwar nicht an erbitterten Gegens√§tzen, welche die Staatswesen durch S√∂ldner auszuk√§mpfen suchten, deren F√ľhrer (¬ĽCondottieri¬ę) wiederholt selbst eigene F√ľrstent√ľmer erwarben. Alle inneren Gegens√§tze wurden im Frieden von Lodi (1454) beigelegt, nachdem durch die osmanische Eroberung von Konstantinopel (1453) ein gemeinsamer √§u√üerer Feind Italien bedrohte (Landung osmanischer Truppen in Otranto 1480). Die Abschlie√üung des √∂stlichen Mittelmeerraums durch die osmanische Ausbreitung und die Verlagerung des Welthandels an die atlantischen K√ľsten f√ľhrten zwar zu wirtschaftlichen R√ľckschl√§gen, denn Italien hatte v. a. am Orienthandel verdient. Doch brachte die Friedensperiode in der zweiten H√§lfte des 15. Jahrhunderts die Entfaltung von Kunst und Kultur der Renaissance, Gelehrsamkeit und Literatur des Humanismus, wodurch Italien zum Lehrmeister f√ľr ganz Europa wurde.
 
 Kampf europäischer Mächte um die Vorherrschaft (1494-1796)
 
Mit dem - an der Heiligen Liga von Papst, Kaiser, Mailand, Venedig und Spanien gescheiterten - Zug Karls VIII. von Frankreich nach Neapel (1494/95), das er als Erbe der Anjou in Besitz nehmen wollte, und den Interventionen seines Nachfolgers Ludwig XIItalien in Mailand und Neapel 1499/1501 begann das Ringen zwischen Frankreich, Spanien und dem Reich um die Vorherrschaft auf der italienischen Halbinsel. Das zwang die italienischen Staaten zun√§chst zu wechselnden B√ľndnissen mit Frankreich oder dem (seit 1496 Spanien dynastisch verbundenen) Haus Habsburg oder lie√ü sie versuchen, gegeneinander ihren Territorialbesitz auszudehnen. Die Krise, reflektiert im politischen Denken N. Machiavellis, ersch√ľtterte die meisten Herrschaftsverh√§ltnisse (u. a. C. Borgia, G. Savonarola). Mailand blieb vorl√§ufig franz√∂sisch, doch gewann Ferdinand II., der Katholische, 1504 Neapel zur√ľck und unterstellte es als Vizek√∂nigreich der spanischen Krone. 1508 verb√ľndeten sich Kaiser Maximilian I., Ludwig XII., Ferdinand II., einige kleinere italienische Staaten und sp√§ter auch Papst Julius II. in der Liga von Cambrai gegen Venedig und nahmen diesem 1509 (Schlacht bei Agnadello, Provinz Cremona) vor√ľbergehend die Terraferma; es musste auf weitere Expansion verzichten, w√§hrend seine wirtschaftliche Bedeutung infolge der neu entdeckten Seehandelswege und der levantinischen Verluste an die Osmanen zur√ľckging. 1510 aber einigte sich Julius II. mit Venedig und erneuerte die antifranz√∂sische Heilige Liga, der trotz der Hilfe der Eidgenossen (Sieg der Schweizer bei Novara, 1513) der Erfolg versagt blieb (Sieg der Franzosen bei Marignano, 1515). Das Ringen um die Vorherrschaft in Italien f√ľhrte zu vier langwierigen und blutigen Kriegen zwischen Franz I. von Frankreich und Kaiser Karl V. Mit der Schlacht von Pavia (1525), bei der Franz I. gefangen genommen wurde, war der Kampf um Mailand gegen Frankreich entschieden. Das best√§tigte der zweite Krieg (1527-29) gegen die Liga von Cognac, in dem 1527 eigenm√§chtige habsburgische S√∂ldner den Papst zur Kapitulation zwangen (Sacco di Roma) und Andrea Doria mit der genuesischen Flotte auf die Seite Karls V. trat. Im Damenfrieden von Cambrai 1529 verzichtete Frankreich zugunsten der Habsburger auf Neapel und Mailand, das 1535 nach dem Tod Francesco Sforzas an Spanien fiel. Nach der endg√ľltigen Verdr√§ngung Frankreichs und der Teilung des habsburgischen Besitzes (nach der Abdankung Karls V.) ordnete der Friede von Cateau-Cambr√©sis 1559 Italiens Staatenwelt neu im Zeichen der Vorherrschaft Spaniens. Dessen Besitz von Neapel, Sizilien, Sardinien und Mailand sowie des Stato dei Presidi wurde anerkannt, zudem wurden vielfach Dynastien, die den Habsburgern genehm waren, wieder eingesetzt. Die Medici, 1494 mit franz√∂sischer Hilfe aus Florenz vertrieben und nach R√ľckkehr (1512) und abermaliger Vertreibung (1527-30) 1531 zu Herz√∂gen erhoben, wurden seit Cosimo I. (1569) erbliche Gro√üherz√∂ge der seit 1555/57 auch Siena einschlie√üenden Toskana; Parma und Piacenza, 1545 als erbliches Herzogtum der Farnese gegr√ľndet, verblieb wie Genua zun√§chst im habsburgischen Einflussbereich; unter Emanuel Philibert erhielt das Herzogtum Savoyen 1559 seine seit 1536 franz√∂sisch besetzten L√§nder zur√ľck, das piemontesische Turin wurde zum Zentrum ihres fr√ľhabsolutistischen Staates. Die Machtstellung der Renaissancep√§pste hatte durch ihre schwankende Allianzpolitik, den √ľbersteigerten Nepotismus, den Siegeszug der Reformation und die Konfessionalisierung der Kirche schwerste Einbu√üen erlitten. Zur Neukonsolidierung des Papsttums trugen v. a. das Tridentinum, die Erfolge von Gegenreformation und katholischer Reform, die Ausgleichsbem√ľhungen der p√§pstlichen Diplomatie zwischen den katholischen M√§chten sowie die Eingliederung der Herzogt√ľmer Ferrara (1598) und Urbino (1631) in den inzwischen absolutistisch organisierten Kirchenstaat bei.
 
Die au√üerordentliche Wirtschaftsbl√ľte Italiens bis ins 16. Jahrhundert geriet durch die Verlagerung der Welthandelswege, das Aufkommen der gro√üen Wirtschaftszentren in Westeuropa und seit Beginn des 17. Jahrhunderts auch durch englische und niederl√§ndische Konkurrenz im Levantehandel (Aufstieg von Livorno) in eine Krise. Agrarkrisen, feudalherrschaftliche und fiskalische Ausbeutung der spanisch-italienischen Staaten l√∂sten regionale Volksaufst√§nde aus (1647/48 in Palermo und Neapel, 1674 und 1678 in Messina). Die gesamthabsburgisch-franz√∂sische Frontstellung w√§hrend des Drei√üigj√§hrigen Krieges wirkte sich auch in Italien aus. Vor dem und im Mantuanischen Erbfolgekrieg (1628-31) gelang es Richelieu erstmals wieder, franz√∂sischen Einflusszonen in Oberitalien (Veltlin, dann Pinerolo in Piemont) zu schaffen, in die nach dem Pyren√§enfrieden (1659) auch Parma und Modena einbezogen wurden. Die wachsende Bedrohung durch die Osmanen veranlasste die engere Zusammenarbeit zwischen dem Papsttum und Venedig, das in seinen T√ľrkenkriegen (1645-71, 1684-99) 1669 Kreta verlor, im Frieden von Karlowitz (1699) aber Morea (bis 1718), die Ionischen Inseln und Teile Dalmatiens behaupten konnte. Neue Konkurrenz erwuchs ihm im habsburgischen Anspruch auf eigenen Adriahandel (Triest 1719 Freihafen).
 
Das bourbonisch-habsburgische Ringen um das spanische Erbe in Italien nach dem Aussterben der spanischen Habsburger (1700) leitete zugleich mit dem Aussterben der meisten (au√üer Savoyen) einheimischen Dynastien einen tief greifenden territorialen Herrschaftswechsel ein. Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg, der √Ėsterreich zun√§chst im Frieden von Rastatt 1714 mit Neapel, Sardinien, Mailand und Mantua im Besitz seines spanischen Erbes best√§tigte, demgegen√ľber sich nur Savoyen mit dem Gewinn des K√∂nigreichs Sizilien (1720 gegen das √∂sterreichische Sardinien getauscht) behauptete, wurde Italien als Objekt der Politik des Gleichgewichts der europ√§ischen M√§chte Kampfplatz der spanisch-bourbonischen, von der Gemahlin K√∂nig Philipps V., Elisabeth Farnese, verfolgten Italienpolitik, des Polnischen Thronfolgekriegs und des √Ėsterreichen Erbfolgekriegs. Nach mehrfachem L√§ndertausch wurden 1748 im Aachener Frieden abschlie√üend die Territorialverh√§ltnisse best√§tigt. Die agrarwirtschaftlich f√ľhrende Lombardei war nun √∂sterreichisch; die Toskana war 1737 nach dem Aussterben der Medici an Franz Stephan von Lothringen gekommen, den Gemahl Maria Theresias. √úber die beiden K√∂nigreiche Neapel und Sizilien herrschte seit 1738 eine Sekundogenitur der spanischen Bourbonen; bourbonisch war seit dem Aussterben der Farnese (1731) auch Parma-Piacenza. Das Haus Savoyen war in seinem dynastischen Machtstreben nach dem Aufstieg zur K√∂nigsw√ľrde (Sardinien) und Erwerb der westlichen Lombardei zu europ√§ischem Rang aufger√ľckt. Die Republiken Venedig (in der Adria in immer erfolgloserem Kampf gegen t√ľrkische Seer√§uber), Genua (Verkauf des aufst√§ndischen Korsika an Frankreich 1768) und Lucca und der au√üenpolitisch unbedeutend gewordene Kirchenstaat konnten sich noch behaupten. Die habsburgischen und bourbonischen Staaten, nicht aber Sardinien-Piemont erlebten in der Friedenszeit 1748-92 eine Reihe von Rechts-, Wirtschafts-, Schul- und Verwaltungsreformen (Zentren v. a. Mailand, Florenz und Neapel) im Geiste des aufgekl√§rten Absolutismus.
 
 Französische Herrschaft und Wiener Kongress (1796-1815)
 
Die Franz√∂sische Republik annektierte 1792, sofort nach ihrer Proklamation, Savoyen und Nizza. 1796 eroberte General Napol√©on Bonaparte die Lombardei von √Ėsterreich, √ľberlie√ü ihm aber 1797 im Frieden von Campoformio die Republik Venedig √∂stlich der Etsch. Im √ľbrigen Italien gr√ľndete er die Zisalpinische (1796/97: u. a. die Lombardei, westliches Venetien, p√§pstliche Romagna), die Ligurische (1797: Republik Genua), die R√∂mische (1798: restliche Kirchenstaat) und die Parthenopeische Republik (1799: K√∂nigreich Neapel). Diese Staatsgebilde scheiterten 1799 am patriotisch-b√§uerlichen, antirevolution√§ren und kirchentreuen Widerstand und gingen in der neuen ¬ĽItalienischen Republik¬ę auf, f√ľr die die italienischen Notabeln 1802 in Lyon den Ersten Konsul Bonaparte zum Pr√§sidenten w√§hlten. Seit 1804 Kaiser der Franzosen, kr√∂nte Napoleon I. sich 1805 mit der Eisernen Krone der Lombardei zum K√∂nig des um Venetien vergr√∂√üerten ¬ĽK√∂nigreichs Italien¬ę. Er annektierte als franz√∂sische D√©partements 1802 Piemont, 1805 Genua/Ligurien, 1808 Parma und kurz die Toskana, die seit 1801 bourbonisches ¬ĽK√∂nigreich Etrurien¬ę war, und schlie√ülich 1809 Rom als ¬Ľzweite Stadt¬ę des Reichs, zu dessen K√∂nig er 1811 seinen eben geborenen Sohn machte. An Familienangeh√∂rige gab Napoleon u. a. das K√∂nigreich Neapel, zuerst 1806 an seinen Bruder Joseph Bonaparte, dann 1808 an seinen Schwager J. Murat. Nur auf den Inseln hielten sich, gesch√ľtzt von der britischen Flotte, die Savoyer auf Sardinien und die neapolitanischen Bourbonen auf Sizilien. Vor allem im Norden wirkten langfristig die Zentralisierung der B√ľrokratie und Modernisierung des Bildungswesens nach franz√∂sischem Muster, die Einf√ľhrung des ¬ĽCode Napol√©on¬ę und Infrastrukturverbesserungen nach.
 
Trotz des Zusammenbruchs der franz√∂sischen Herrschaft 1814 in Ober- und Mittelitalien konnte Murat das K√∂nigreich Neapel zun√§chst halten; sein Versuch, bei der R√ľckkehr Napoleons aus Elba 1815 ganz Italien zu erobern, scheiterte aber am B√ľndnis √Ėsterreichs mit seinem bourbonischen Thronrivalen Ferdinand IV., der ihn verhaften und erschie√üen lie√ü. Der Wiener Kongress 1814/15 stellte nach dem Legitimit√§tsprinzip den Kirchenstaat und die gr√∂√üeren Monarchien Italiens wieder her: Das K√∂nigreich Sardinien erhielt Nizza zur√ľck und wurde um das Gebiet der alten Republik Genua vergr√∂√üert; die Lombardei wurde mit dem alten Venedig zum ¬ĽLombardo-Venezianischen K√∂nigreich¬ę vereinigt, das an √Ėsterreich fiel und von Wien aus regiert wurde; die habsburgisch-lothringische Sekundogenitur in der Toskana wurde wieder errichtet; habsburgisch regiert wurden nun auch Modena, Lucca und Parma-Piacenza, das 1847 nach dem Tod der Witwe Napoleons, der Erzherzogin Marie Louise, an habsburgfreundliche Bourbonen fiel. Im S√ľden vereinigte der Bourbone Ferdinand IV. Neapel und Sizilien 1816 zum ¬ĽK√∂nigreich beider Sizilien¬ę. Insgesamt befestigte die von F√ľrst Metternich betriebene monarch. Restauration die √∂sterreichische Hegemonie √ľber Italien, wenn auch sein Plan einer ¬ĽLega Italica¬ę nach dem Vorbild des Deutschen Bundes an Sardinien-Piemont und am Kirchenstaat scheiterte.
 
 Zeitalter des Risorgimento (1815-70)
 
Beim gebildeten B√ľrgertum wie bei fortschrittlichen Adligen wuchs durch die weit greifenden Reformen des 18. Jahrhunderts und der napoleonischen Zeit der Wunsch nach politischen Mitwirkungsrechten und nationale Selbstst√§ndigkeit (¬ĽRisorgimento¬ę, nationales ¬ĽWiedererstehen¬ę, Titel einer Ende 1847 in Turin von C. Benso Graf Cavour mitbegr√ľndeten Zeitschrift). Geheimb√ľnde (z. B. die Carboneria) k√§mpften gegen Restauration und √∂sterreichischer Hegemonie. Erster offener Widerstand 1820/21, nach der spanischen Revolution, in Sardinien-Piemont und Neapel sowie 1831, nach der franz√∂sischen Julirevolution, im Kirchenstaat, in Modena und Parma wurde durch √∂sterreichische Intervention niedergeschlagen.
 
Die vielfach in die Emigration gezwungenen Wortf√ľhrer des Risorgimento vertraten sehr unterschiedliche Konzeptionen: G. Mazzini, Gr√ľnder der Gruppe Giovine Italia, erstrebte eine aus sich selbst geeinigte unitarisch-demokratische Republik; Carlo Cattaneo (* 1801, ‚úĚ 1869) bevorzugte eine republikanische F√∂deration; V. Gioberti, F√ľhrer der ¬ĽNeoguelfen¬ę, sah im R√ľckblick auf das Mittelalter Kirche und Papsttum (und den nach seiner Wahl 1846 noch liberal scheinenden Papst Pius IX.) als einigende Kr√§fte einer italienischen F√∂deration; C. Graf Balbo und M. d'Azeglio erwarteten dagegen vom Haus Savoyen durch Reformen die F√ľhrung gegen √Ėsterreich.
 
Nach ersten Hungerunruhen 1847 begann das europ√§ische Revolutionsjahr 1848 mit dem sizilianischen Aufstand; Repr√§sentativverfassungen nach franz√∂sischem Vorbild wurden nun f√ľr beide Sizilien (1849 suspendiert), Toskana (1852 aufgehoben) und Sardinien-Piemont gew√§hrt (¬ĽStatuto Albertino¬ę vom 4. 3. 1848, als Verfasser des geeinten K√∂nigreichs Italien bis zum Ende der Monarchie 1946 in Kraft). Nach anti√∂sterreichischen Aufst√§nden in Mailand (unter Cattaneo) und in Venedig (Republik bis 24. 8. 1849 unter D. Manin) erkl√§rte K√∂nig Karl Albert von Sardinien √Ėsterreich den Krieg, der zun√§chst zur Niederlage von Custoza (25. 7. 1848gegen Feldmarschall J. W. Graf Radetzky), dann zur Niederlage von Novara (23. 3. 1849 und zu seinem R√ľcktritt zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel II. f√ľhrte. Trotz des Erstarkens der Gegenrevolution wurde Ende 1848 Pius IX. aus dem Kirchenstaat vertrieben (im Exil in Gaeta wandte er sich endg√ľltig dem Antiliberalismus zu) und in Rom die Republik (unter Mazzini und G. Garibaldi) ausgerufen, die sich bis Juli 1849 gegen die franz√∂sischen Truppen unter Louis Napol√©on (dem sp√§teren Napoleon III.) verteidigen konnte, der mit R√ľcksicht auf seine katholische W√§hler zugunsten des Papstes intervenierte wie vorher schon √Ėsterreich gegen die toskanische Republik (Januar 1849, zugunsten des Habsburgers Leopold II.).
 
Die anschlie√üende Stagnation und Reaktion (Belagerungszustand im √∂sterreichischen Oberitalien bis nach dem Krimkrieg 1856, absolutistische Willk√ľrherrschaft im bourbonischen Neapel-Sizilien) verschob das Zentrum des Risorgimento in das savoyische Sardinien-Piemont, das Verfassung und Parlament beibehalten hatte. Hier setzte unter d'Azeglio (Ministerpr√§sident 1849) und dem vom englischen Liberalismus gepr√§gten Cavour (Ministerpr√§sident 1852) eine wirtschaftliche Modernisierung mit Freihandel, Eisenbahnbau und Agrar- sowie Bankenf√∂rderung ein. Cavour st√ľtzte sich auf ein breites B√ľndnis seiner gem√§√üigt-liberalen ¬ĽDestra storica¬ę (¬ĽHistorische Rechte¬ę) mit der gem√§√üigten ¬ĽLinken¬ę (Klosters√§kularisation 1855), wodurch das Land de facto parlamentarisch regiert war. Au√üenpolitisch sicherte er Sardinien-Piemont durch die Beteiligung (Januar 1855) am Krimkrieg die Unterst√ľtzung Napoleons III. gegen √Ėsterreich; der franz√∂sische Kaiser suchte Hoffnungen auf eine erneuerte franz√∂sische Vormacht in Europa mit Sympathien f√ľr nationale Bewegungen - trotz starker Bindung an Papst und Kirchenstaat - zu verbinden. Inneritalischen R√ľckhalt fand der Kurs Cavours bei der von Manin 1857 gegr√ľndeten ¬ĽSociet√† Nazionale¬ę, gegen ihn standen die Republikaner um Mazzini, von denen sich aber Garibaldi zu begrenzter Kooperation mit der Monarchie l√∂ste.
 
1858 stellte Napoleon III. - gegen Abtretung von Nizza und Savoyen - eine Erweiterung von Sardinien-Piemont um das noch √∂sterreichische Norditalien (Befreiung ¬Ľbis zur Adria¬ę) in Aussicht; die italienische Einheit sollte aber nur in loser F√∂deration unter p√§pstlichem Primat bestehen. Ein √∂sterreichisches Ultimatum provozierte 1859 den Krieg mit Sardinien und Frankreich, der unter Beteiligung der ¬ĽSociet√† Nazionale¬ę auch in der Toskana und der p√§pstlichen Emilia-Romagna zu nationalen Erhebungen mit dem Ziel des Anschlusses an Sardinien-Piemont f√ľhrte. Napoleon III. brach den Krieg deshalb nach dem Sieg von Solferino (24. 6. 1859 im Vorfrieden von Villafranca (11. 7. 1859, best√§tigt im Frieden von Z√ľrich) ab, der Sardinien-Piemont nur die Lombardei zusprach, w√§hrend Venetien bei √Ėsterreich blieb. Frankreich erwarb Nizza und Savoyen schlie√ülich, nachdem es 1860 dem Anschluss (nach Plebisziten) von Modena, Parma, der Emilia-Romagna und Toskana an Sardinien-Piemont zugestimmt hatte. Im Mai 1860 landete Garibaldi mit einem Freiwilligenkorps (¬ĽZug der Tausend¬ę) auf Sizilien und eroberte es, gest√ľtzt auf die unzufriedene Landbev√∂lkerung; nach seinem - auf Rom zielenden - √úbergang auf das unteritalische Festland st√ľrzte die bourbonische Monarchie auch in Neapel. Im September 1860 besetzten sardinische Truppen unter dem Vorwand, den Papst vor einem Angriff Garibaldis zu sch√ľtzen, die Marken und Umbrien. Auch hier und in S√ľditalien best√§tigten Plebiszite den Anschluss, von dem unter dem Druck des vatikanfreundlichen Frankreich nur der Restkirchenstaat (Latium) ausgespart blieb. Nach ersten Parlamentswahlen im Januar 1861 wurde am 17. 3. 1861 das ¬ĽK√∂nigreich Italien¬ę unter Viktor Emanuel II. proklamiert. Entgegen den Hoffnungen der f√ľr eine verfassunggebende Versammlung pl√§dierenden Linken vollzog sich diese Einigung letztlich doch als ¬Ľk√∂nigliche Eroberung¬ę, d. h. als schrittweise √úbertragung der sardinischen Verfassung (von 1848) und der nach franz√∂sischem Vorbild zentralisierten, in Provinzen gegliederten, von Pr√§fekten geleiteten Verwaltungsordnung auf das √ľbrige Italien. Ein hohes Zensuswahlrecht (1861: wahlberechtigt 1,9 % der Bev√∂lkerung, durchschnittlich 540 Stimmen f√ľr ein Abgeordnetenmandat) beschr√§nkte die politische Repr√§sentation auf eine schmale liberal-konservative Oberschicht. Besonders schwer lastete die Neuordnung auf S√ľditalien, wo die Treue zur vertriebenen, vom Vatikan unterst√ľtzten Bourbonendynastie, die - neue - Wehrpflicht und eine dem √úbergang zum Freihandel nicht gewachsene Wirtschaftsstruktur ein politisch motiviertes Brigantenwesen hervorriefen, dessen blutige Unterdr√ľckung bis zu 100 000 Mann regul√§rer Truppen besch√§ftigte. Hier sowie in der ausbleibenden Landreform, die die zur√ľckgebliebenen Wirtschafts- und Sozialstrukturen verfestigte, liegen u. a. die Ursachen f√ľr die bis heute bestehenden Probleme des Mezzogiorno.
 
Durch die Leistung Cavours, dessen pl√∂tzlicher Tod im Juni 1861 f√ľr das Land einen schweren Verlust bedeutete, wurde Italien - anders als Deutschland - so zu einem parlamentarischen Staat mit begrenzten Rechten des Monarchen und Verantwortlichkeit der Minister vor dem Zweikammerparlament. Erst sp√§t aber kam es, wegen pers√∂nlicher Patronage f√ľr lokale Klientelgruppen, zur Bildung moderner Parteien.
 
Die Einigung 1859/60 umfasste noch nicht die ganze Nation. Der Erwerb Venetiens von √Ėsterreich gelang durch die Teilnahme am Deutschen Krieg 1866 an der Seite Preu√üens, obwohl die Landschlacht bei Custoza und die Seeschlacht bei Lissa von √Ėsterreich gewonnen wurden. Schwieriger war die L√∂sung der R√∂mischen Frage. Zwei Misserfolge Garibaldis (Aspromonte 1862, Mentana 1867) zeigten, dass dieses mit der gro√üen europ√§ischen Politik verkn√ľpfte Problem nicht im Handstreich zu l√∂sen war. Die in der Septemberkonvention 1864 mit Frankreich vereinbarte, 1865 realisierte Verlegung der Hauptstadt von Turin in das zentraler gelegene Florenz deutete auf eine l√§ngere √úbergangszeit. Der Abzug der franz√∂sischen Truppen aus Rom nach Ausbruch des Deutsch-Franz√∂sischen Krieges 1870/71 erlaubte die Einnahme der Stadt (20. 9. 1870. Der Restkirchenstaat wurde annektiert und Rom 1871 zur Hauptstadt erkl√§rt. Den Erlass des Garantiegesetzes 1871 lehnte Pius IX. ab. Er und seine Nachfolger erkl√§rten sich zu ¬ĽGefangenen im Vatikan¬ę, und die Enzyklika ¬ĽNon expedit¬ę (1874) verbot den Katholiken Italiens die Teilnahme an √ľberregionalen Wahlen.
 
 Der liberale Einheitsstaat (1870-1914)
 
Der zun√§chst unl√∂sbare Konflikt mit der Kirche belastete den jungen Einheitsstaat im Innern durch die Entfremdung breiter katholischer Schichten, nach au√üen durch die Bestrebungen des Vatikans zur Wiederherstellung des Kirchenstaats. Wirtschaftlich stagnierten 1860-80 die Durchschnittseinkommen, im S√ľden begann die Massenemigration der Landlosen. Mit unpopul√§rem Steuerdruck gelang es der noch von Cavour gepr√§gten gem√§√üigten ¬ĽRechten¬ę (profranz√∂sisch, stark im Norden) zwar dennoch, die Staatsfinanzen zu konsolidieren, doch wurde sie 1876 auf Initiative der Kammer durch die gem√§√üigt liberal-antiklerikale ¬ĽLinke¬ę (stark bei den Honoratioren des S√ľdens) abgel√∂st. Sie schaffte unter Ministerpr√§sident A. Depretis die (das Brot verteuernde) Mahlsteuer ab, f√ľhrte die kostenfreie Schulpflicht ein und erh√∂hte in einer ersten Wahlreform 1882 den Anteil der Wahlberechtigten von 2,2 % auf 6,9 % (im S√ľden weniger). Depretis' Taktik, durch Erf√ľllung von Anliegen lokaler Klientel unabh√§ngig von politischen Lagern zu regieren, verz√∂gerte erheblich die Bildung und straffe Organisation von Parteien. Im B√ľndnis von n√∂rdlicher, stark mit dem Staat verbundener Industrie und s√ľdlichen Gro√üagrariern ging Italien 1887 zu protektionistischer Au√üenhandelspolitik √ľber und leitete einen zehnj√§hrigen Handelskrieg mit Frankreich ein.
 
Auch der Zusammenschluss mit √Ėsterreich-Ungarn und dem Deutschen Reich im Dreibund 1882 war gegen Frankreich gerichtet (franz√∂sische Besetzung von Tunis 1881); f√ľr seine Anspr√ľche auf Trient und Triest erreichte es 1887 einen unpr√§zisen Kompensationsanspruch im Falle √∂sterreichischer Erwerbungen auf der Balkanhalbinsel; die noch frankophil-republikanische Irredenta wurde zeitweise verboten. Nun begann auch mit der Besetzung von H√§fen in Eritrea und der Bildung des Protektorats Italienisch-Somaliland eine italienische Kolonialpolitik; seit 1887 betrieb der neue Ministerpr√§sident F. Crispi die Eroberung ganz √Ąthiopiens; sie scheiterte 1896 mit der verheerenden Niederlage von Adua, die ihn zum R√ľcktritt zwang. Im Innern unterdr√ľckte er nach sozialen Unruhen (z. B. 1892/93 in Sizilien durch die Fasci dei lavoratori) auch die Opposition der entstehenden sozialistisch-marxistischen (Gr√ľndung des ¬ĽPartito Socialista Italiano¬ę, Abk√ľrzung PSI, 1892) und katholischen (Selbsthilfebewegung seit der Sozialenzyklika ¬ĽRerum Novarum¬ę Papst Leos XIII. von 1891) Arbeiterbewegung.
 
Dieser autorit√§re Kurs stie√ü auf wachsenden Widerstand (1898 Generalstreik in Mailand) und f√ľhrte nach der Ermordung (1900) K√∂nig Umbertos I. unter dem neuen K√∂nig Viktor Emanuel III. (1900-46) und dem linksliberalen G. Giolitti (Innenminister 1901-03, Ministerpr√§sident 1903-05, 1906-09 und 1911-14) zu einer Politik innerer Reformen, beginnend mit einer trotz Steuersenkungen gelungenen Haushaltssanierung, die vom Wirtschaftswachstum und dem Beginn der Hochindustrialisierung in Norditalien beg√ľnstigt war. Giolitti suchte die gleichzeitige Integration von reformistischer Arbeiterbewegung (durch Zugest√§ndnisse wie Streikrecht, Arbeiterschutz, Sozialversicherung) und sich formierender - 1904 mit p√§pstlicher Billigung Wahl erster katholischer Abgeordneter - antisozialistisch-katholische Bewegung (durch Abbau des Antiklerikalismus) in die Monarchie. Abkommen mit Frankreich (1900/02) und Russland (1909) gaben Italien au√üenpolitische Bewegungsfreiheit, die im begrenzten Italienisch-T√ľrkischen Krieg 1911/12 den Erwerb der libyschen Gegenk√ľste (Cyrenaika und Tripolis) und des Dodekanes brachte. Seit 1910 bildete sich eine gut organisierte nationalistische Rechte (E. Corradini), die irredentistische Ziele expansiv (E. Tolomei als Propagator der Brennergrenze) √ľbernahm. Nach der Wahlreform (1912), die mit einem fast allgemeinen M√§nnerwahlrecht den Anteil der Wahlberechtigten von 8,3 % auf 23,2 % steigen lie√ü, siegte Giolitti trotz Gewinnen rechter und linker Extremisten zwar noch einmal in den Wahlen von 1913 durch ein Wahlb√ľndnis mit den Katholiken, verlor so aber den R√ľckhalt bei den Antiklerikalen und trat im M√§rz 1914 zur√ľck.
 
 Erster Weltkrieg und Nachkriegszeit (1914-22)
 
Die neue rechtsliberale Regierung unter A. Salandra (1914-16) beendete 1914 den Integrationskurs (Niederschlagung der Streikbewegung der Settimana rossa in Oberitalien) und blieb bei Kriegsausbruch neutral. Die Agitation einer das Land tief spaltenden heterogenen Koalition aus Radikaldemokraten, revolution√§ren Sozialisten, Rechtsliberalen und Nationalisten f√ľhrte nach dem Scheitern von Kompensationsverhandlungen mit Wien und nach dem Abschluss des mit den Alliierten ausgehandelten Londoner Vertrags (26. 4. 1915 Aussicht au√üer auf Trient und Triest auch auf S√ľdtirol und Dalmatien, nicht aber auf Fiume) gegen den Willen Giolittis und der eingesch√ľchterten, eigentlich neutralistischen Parlamentsmehrheit zum Kriegseintritt gegen √Ėsterreich-Ungarn (23. 5. 1915, dem unter dem Druck der Alliierten am 28. 8. 1916 die Kriegserkl√§rung an das Deutsche Reich folgte. Die Erwartungen Salandras, durch einen kurzen, siegreichen Krieg die Vorherrschaft der Konservativen zu festigen, wurden durch den jahrelangen, in zw√∂lf Isonzoschlachten vergeblichen Ansturm auf die √∂sterreichische Alpenfront widerlegt. Der deutsch-√∂sterreichische Durchbruch von Karfreit (Caporetto) im Oktober 1917 brachte Italien an den Rand der Niederlage. Erst die Schlussoffensive vom Oktober 1918 traf die sich aufl√∂sende Donaumonarchie entscheidend (Waffenstillstand von Villa Giusti, 3. 11. 1918).
 
1919-20 nahm Italien an den Pariser Friedenskonferenzen teil, konnte jedoch nur einen Teil seiner Kriegsziele durchsetzen. Im Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye mit √Ėsterreich (10. 9. 1919 gewann es Trient, S√ľdtirol (bis zum Brenner), G√∂rz, Triest und Istrien, ferner Zara (Zadar); zugunsten des neu geschaffenen ¬ĽK√∂nigreichs der Serben, Kroaten und Slowenen¬ę (sp√§ter ¬ĽJugoslawien¬ę) musste es seine Anspr√ľche auf Dalmatien und Fiume (Rijeka) zur√ľckstellen. Der Friedensvertrag von S√®vres mit dem Osmanischen Reich (10. 8. 1920 sprach Italien Rhodos und die Inselgruppe des Dodekanes zu (best√§tigt durch den Frieden von Lausanne, 24. 7. 1923). Als Anf√ľhrer einer Freischar verhinderte G. D'Annunzio 1919/20 die Internationalisierung Fiumes. Durch den Vertrag von Rapallo (12. 11. 1920) erhielt dieses jedoch den Status eines Freistaates. Die politische Entt√§uschung √ľber den ¬Ľverlorenen Sieg¬ę und die wirtschaftliche Krise (infolge des Krieges) f√ľhrte zu starken inneren Gegens√§tzen, die Italien an den Rand des B√ľrgerkriegs brachten. Die Sozialisten (PSI) konnten sich weder zu einer konsequent revolution√§ren Politik noch zu einer gemeinsamen Regierungsverantwortung mit den liberalen Kr√§ften des B√ľrgertums entschlie√üen. Die von L. Sturzo gef√ľhrte katholische Volkspartei (¬ĽPartito Popolare Italiano¬ę, PPI, gegr√ľndet 1919) lehnte sowohl eine Zusammenarbeit mit den Liberalen als auch mit den Sozialisten ab; infolgedessen l√§hmten sich die st√§rksten politischen Kr√§fte des Landes im Parlament gegenseitig. Sozial motivierte Unruhen (Fabrik- und Landarbeiterstreiks, Besetzung von Fabriken in Oberitalien) f√∂rderten den von dem fr√ľheren Sozialisten B. Mussolini gef√ľhrten Faschismus, der sich seit seiner scharfen Wendung nach rechts, gest√ľtzt auf die Aktivistengruppen (Squadre d'azione) zu einer gewaltt√§tigen Massenbewegung entwickelte. Als vermeintliche Ordnungskraft wurde der Faschismus von Unternehmern, Gro√ügrundbesitzern und Beh√∂rden unterst√ľtzt. Ministerpr√§sident Giolitti (1920/21) versuchte, die faschistische Bewegung in das bestehende politische System einzubinden. Die Regierung unter Ministerpr√§sident Luigi Facta (1922) konnte die b√ľrgerkriegs√§hnlichen K√§mpfe zwischen den Faschisten (seit 1921 als Partei im ¬ĽPartito Nazionale Fascista¬ę, PNF, organisiert) einerseits sowie Sozialisten und Kommunisten (seit 1921 als ¬ĽPartito Comunista Italiano¬ę, PCI, abgespalten) andererseits nicht beenden. Durch Verhandlungen nach allen Seiten und mithilfe einer vom PNF organisierten militanten Demonstrationsbewegung erreichte Mussolini, dass K√∂nig Viktor Emanuel III. ihn am 29. 10. 1922 an die Spitze einer Koalitionsregierung berief.
 
 Die Zeit des Faschismus (1922-43/45)
 
Nach seiner Ernennung zum Ministerpr√§sidenten baute Mussolini zun√§chst seine pers√∂nliche Machtstellung aus (u. a. In-Kraft-Treten eines ¬ĽErm√§chtigungsgesetzes¬ę am 3. 12. 1922). W√§hrend die Sozialisten und Kommunisten (A. Gramsci) von Anfang an in scharfer Opposition zu Mussolini standen, beteiligten sich die b√ľrgerlichen Kr√§fte (einschlie√ülich des PPI) zun√§chst an seiner Regierung, da sie in der faschistischen Bewegung eine f√ľr die Beruhigung der innenpolitischen Situation n√ľtzliche Kraft sahen. Mit der Gr√ľndung der ¬ĽMilizia volontaria per la sicurezza nazionale¬ę (¬ĽFreiwillige Miliz f√ľr die nationale Sicherheit¬ę) im Januar 1923 suchte Mussolini seine Gegner innerhalb und au√üerhalb seiner Bewegung zu kontrollieren und abzuschrecken. Ein neues Wahlgesetz (¬ĽLegge Acerbo¬ę, November 1923), nach dem die st√§rkste Partei mit mindestens einem Viertel der Stimmen zwei Drittel aller Parlamentssitze erhalten sollte, sicherte bei den Wahlen vom April 1924 den Faschisten eine starke Mehrheit in der Abgeordnetenkammer. Nach der Ermordung des sozialistischen Abgeordneten G. Matteotti (10. 6. 1924 sah sich die faschistische Bewegung innerhalb des Parteienfeldes isoliert. Mit dem Auszug der sozialistischen, PPI- und eines Teils der liberalen Abgeordneten aus dem Parlament (27. 6. 1924 Aventinianer) bildete sich eine aus allen nichtfaschistischen politischen Kr√§ften des Landes zusammengesetzte Opposition (Antifaschismus). Der mit dem Parlamentsauszug unternommene Versuch, Mussolini zu st√ľrzen und die Rechtssicherheit wiederherzustellen, scheiterte an der z√∂gernden Haltung der Krone. Mithilfe faschistischer Sondergesetze (besonders das ¬ĽGesetz √ľber die Befugnisse des Regierungschefs¬ę, Dezember 1925, und das ¬ĽGesetz √ľber die Befugnisse der Regierung¬ę, Januar 1926) beschritt Mussolini endg√ľltig den Weg der Diktatur. Die Verantwortlichkeit des Regierungschefs (Capo del governo) gegen√ľber dem Parlament war aufgehoben. Im Auftrag des K√∂nigs verk√∂rperte er die staatliche Souver√§nit√§t; seine Befugnisse erstreckten sich auch auf die Gesetzgebung. Die Freiheitsrechte des Individuums, besonders das Versammlungs- und Vereinigungsrecht sowie die Pressefreiheit, wurden aufgehoben. Im Rahmen des ¬ĽGesetzes zur Verteidigung des Staates¬ę (November 1926) wurde ein ¬ĽSondergerichtshof¬ę f√ľr ¬Ľpolitisches Verbrechen¬ę errichtet. Mit der Gr√ľndung einer politischen Geheimpolizei, der OVRA, schuf sich Mussolini 1927 ein weiteres Instrument zur Sicherung seiner diktatorischen Herrschaft. Die Parteien - mit Ausnahme des PNF - wurden 1926 verboten, oppositionellen Parlamentsabgeordneten wurden die Mandate aberkannt; zahlreiche politische Pers√∂nlichkeiten wurden verbannt (z. B. C. Levi), flohen ins Ausland oder starben durch faschistische Gewaltakte (G. Amendola, Piero Gobetti u. a.). Entsprechend dem Blockwahlgesetz von 1928 trat nach den Wahlen von 1929 ein rein faschistisches Parlament zusammen. Mit der Erhebung des ¬ĽFaschist. Gro√ürates¬ę (¬ĽGran consiglio del fascismo¬ę), urspr√ľnglich F√ľhrungsorgan des PNF, in den Rang eines Staatsorgans und seines Generalsekret√§rs in den Ministerrang (Mai 1928) vollzog Mussolini die enge Verzahnung von Partei und Staat, entmachtete die Partei jedoch zugleich als eigenst√§ndig handelnde politische Organisation zugunsten seiner pers√∂nlichen Machtstellung als ¬ĽDuce del fascismo¬ę. In der Aufbauphase des faschistischen Staates leitete Mussolini zielbewusst eine Ann√§herung an die katholische Kirche ein. Mit den Lateranvertr√§gen (11. 2. 1929) suchte er unter erheblichen Zugest√§ndnissen seinerseits die R√∂mische Frage zu l√∂sen: Die Vatikanstadt wurde als selbstst√§ndiger, neutraler Staat unter der Souver√§nit√§t des Papstes anerkannt, gleichzeitig wurde ein Konkordat √ľber die Beziehungen von Staat und Kirche abgeschlossen. Gegen Ende der 20er-Jahre hatte sich die faschistische Herrschaft im Zeichen des F√ľhrerprinzips zu einer pers√∂nlichen Diktatur Mussolinis entwickelt. In seiner 1932 ver√∂ffentlichten ¬ĽLehre des Faschismus¬ę fasste er seine - stark schwankenden - ideologischen Vorstellungen vom korporativ gegliederten Gesellschaftssystem und vom totalit√§ren Staat zusammen. Mit der Arbeitsverfassung vom 3. 4. 1926 (¬ĽCarta del lavoro¬ę, in Kraft getreten am 21. 4. 1927) legte die Regierung Mussolini unter Verbot von Streik und Aussperrung die Grundlagen staatlich gelenkter kollektiver Arbeitsbeziehungen; an die Stelle der Gewerkschaften traten Syndikate, in denen die Vorherrschaft der Faschisten personell gesichert wurde. In der Industrie wurden Staatsholdinggesellschaften (AGIP, IRI) gegr√ľndet und Kartelle gef√∂rdert. 1934 wurden die Syndikate der Unternehmer und der Arbeiter nach Wirtschaftsgruppen in 22 √ľbergreifenden Korporationen zusammengefasst. 1937 wurde die staatlich gelenkte Jugendorganisation, die ¬ĽGiovent√Ļ Italiana del Litorio¬ę (GIL), geschaffen. Die Schulverfassung von 1939 sollte das Schul- und Bildungswesen im faschistischen Sinne lenken. Mit der Ersetzung des Abgeordnetenhauses durch die Camera dei fasci e delle corporazioni (Gesetz vom Oktober 1938) wurde der Korporativismus Staatsprinzip. Dieser ¬ĽStato totalitario¬ę konnte nicht alle M√§chte der Gesellschaft erfassen, gerade die katholische Kirche hatte noch Reste ihres Einflusses behaupten k√∂nnen (z. B. in den Jugendorganisationen). Die Krone war jedoch infolge ihrer Zusammenarbeit mit dem Faschismus bei vielen diskreditiert. Oppositionelle Ideen kamen durch Kontakte zur Emigration (z. B. Giustizia e Libert√†) ins Land. In seiner Au√üenpolitik beteiligte sich das faschistische Italien in der Phase seines inneren Ausbaus an friedlichen Aktivit√§ten der europ√§ischen Diplomatie (u. a. Mitarbeit im V√∂lkerbund; Mitunterzeichnung der Locarnovertr√§ge, 1925); die Besetzung Korfus (1923) zeigte jedoch schon fr√ľh Mussolinis expansionistischen Ziele. Auch der Ausgleich mit Jugoslawien (Vertrag von Rom, 1924), durch den Fiume nunmehr an Italien kam, war ein fr√ľher Versuch, die durch die Pariser Vorortvertr√§ge geschaffene Ordnung im Mittelmeerraum zu revidieren. Der italienisch-jugoslawische Gegensatz entz√ľndete sich in der Folgezeit wieder an Albanien, das beide Staaten zu ihrem Einflussbereich z√§hlten. Nach dem Regierungsantritt Hitlers in Deutschland (1933) l√∂ste die aggressive deutsche Politik gegen√ľber √Ėsterreich einen scharfen machtpolitischen Konflikt zwischen Deutschland und Italien aus. In den R√∂mischen Protokollen (17. 3. 1934 vereinbarte Italien eine engere Zusammenarbeit mit √Ėsterreich und Ungarn. Nach der Ermordung des √∂sterreichischen Bundeskanzlers E. Dollfuss durch √∂sterreichische Nationalsozialisten (Juli 1934) n√§herte es sich Frankreich und Gro√übritannien und traf im April 1935 mit ihnen Abmachungen gegen einseitige deutsche Aktionen (Stresafront). Im Januar 1935 schloss Italien ein Kolonialabkommen mit Frankreich. Mit dem Angriff auf √Ąthiopien (Oktober 1935) ging Italien zu einer Politik offener Expansion √ľber. 1936 wurden die ostafrikanischen Kolonialterritorien Eritrea, Italienisch-Somaliland und √Ąthiopien unter der Bezeichnung Italienisch-Ostafrika zusammengefasst; sie bildeten mit Libyen das italienische Kolonialreich. Viktor Emanuel III. nahm 1936 den Titel eines ¬ĽKaisers von √Ąthiopien¬ę an. Nachdem Italien durch seine Kolonialpolitik in Gegensatz zu den Westm√§chten geraten war, n√§herte es sich im Zuge der beiderseitigen Intervention im Spanischen B√ľrgerkrieg (1936-39) dem nationalsozialistischen Deutschland 1936 begr√ľndeten beide die Achse Berlin-Rom und schlossen den Antikominternpakt. 1938 nahm Mussolini den ¬ĽAnschluss¬ę √Ėsterreichs an das Deutsche Reich hin und vermittelte die Verhandlungen zum M√ľnchener Abkommen. Unter deutschem Einfluss verloren die meisten Juden (mit Ausnahme der Kriegsveteranen) die staatsb√ľrgerlichen Rechte. Nach der Besetzung Albaniens durch italienische Truppen (April 1939) schloss Mussolini ein Milit√§rb√ľndnis mit Deutschland, den Stahlpakt (22. 5. 1939, in dem Hitler die Brennergrenze akzeptierte. Am 21. 10. 1939 folgte ein deutsch-italienisches Umsiedlungsabkommen √ľber S√ľdtirol. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs (1. 9. 1939 blieb Italien zun√§chst ¬Ľnichtkriegf√ľhrende¬ę Macht, griff aber an der Seite Deutschlands am 10. 6. 1940 in den Krieg gegen Frankreich ein, um seine territorialen Forderungen in Bezug auf Korsika, Tunesien und Franz√∂sisch-Somaliland (Djibouti) geltend zu machen. Nach der Niederlage Frankreichs schlossen Deutschland, Italien und Japan den Dreim√§chtepakt (September 1940). Auf den Kriegsschaupl√§tzen in Griechenland und Nordafrika blieben italienische Offensiven ohne Erfolg; die milit√§rische und politische F√ľhrung geriet dabei ganz in Abh√§ngigkeit von Deutschland. Dar√ľber hinaus beteiligte Italien sich an der Besetzung Griechenlands und Jugoslawiens.
 
Angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Not und der gro√üen Verluste an allen Fronten gewannen antifaschistische Kr√§fte an Boden (Streiks im M√§rz 1943). Nachdem sich der Faschist. Gro√ürat unter dem Eindruck der alliierten Invasion auf Sizilien auf Betreiben D. Graf Grandis gegen Mussolini gewandt hatte (24./25. 7. 1943), lie√ü der K√∂nig diesen verhaften (25. 7.) und ernannte Marschall P. Badoglio zum Ministerpr√§sidenten; der PNF wurde aufgel√∂st. Nach Abschluss eines Waffenstillstands (3. 9. 1943 mit den Alliierten trat Italien auf deren Seite in den Krieg gegen Deutschland ein. Deutsche Streitkr√§fte konnten zun√§chst den gr√∂√üten Teil Italiens besetzen; in ihrem Schutz gr√ľndete der von deutschen Fallschirmj√§gern befreite Mussolini die ¬ĽRepublik von Sal√≤¬ę (offiziell: ¬ĽRepubblica Sociale Italiana¬ę). W√§hrend freiwillige faschistische Truppen auf deutsche, regul√§re Streitkr√§fte der Regierung Badoglio auf alliierter Seite in den Kampf eingriffen, unterst√ľtzten in Mittel- und Oberitalien Partisanenformationen die westlichen Alliierten hinter der Front. Im Untergrund formierten sich alte Parteien neu (u. a. PCI, PSI), neue Parteien konstituierten sich (u. a. die Democrazia Cristiana, DC, und der Partito d'Azione). Als Tr√§ger des Widerstandes schlossen sie sich zum ¬ĽComitato di Liberazione Nazionale¬ę (CLN) zusammen (Resistenza). Nach der Eroberung Roms durch die Alliierten (4. 6. 1944 trat Umberto, der Sohn Viktor Emanuels III., am 5. 6. als Generalstatthalter an die Spitze des K√∂nigreichs; der fr√ľhere sozialistische Ministerpr√§sident Italien Bonomi bildete, gest√ľtzt auf die Kr√§fte des CLN, am 18. 6. die Regierung. Nach der Kapitulation der deutschen Streitkr√§fte in Italien (29. 4./2. 5. 1945) l√∂ste sich die Republik von Sal√≤ auf; Mussolini wurde am 28. 4. 1945 auf der Flucht ermordet.
 
 Die Republik Italien (seit 1946)
 
Mit 12,7 Mio. gegen 10,7 Mio. Stimmen entschied sich die Bev√∂lkerung am 2. 6. 1946 f√ľr die Errichtung der Republik. Umberto II., seit der Abdankung seines Vaters (9. 5. 1946) K√∂nig, verlie√ü Italien am 13. 6. 1946. Ministerpr√§sident A. De Gasperi (DC, seit Dezember 1945) √ľbernahm die Gesch√§fte des Regenten, bis der Oberste Gerichtshof am 18. 6. 1946 die Republik proklamierte. Die am 2. 6. 1946 gew√§hlte verfassunggebende Nationalversammlung w√§hlte Enrico De Nicola (* 1877, ‚úĚ 1959) zum provisorischen Staatspr√§sidenten. Nach der Verabschiedung einer parlamentarisch-demokratischen Verfassung (in Kraft seit dem 1. 1. 1948) standen als Staatspr√§sident L. Einaudi (1948-55), G. Gronchi (1955-62), A. Segni (1962-64), G. Saragat (1964-71), G. Leone (1971-78), A. Pertini (1978-85), F. Cossiga (1985-92) und O. Scalfaro (seit 1992) an der Spitze des Staates. St√§rkste politische Kraft bis zu Beginn der 90er-Jahre war die DC, sie herrschte 1948-53 mit absoluter Mehrheit und stellte bis 1981 ununterbrochen den Ministerpr√§sidenten. Weitere einflussreiche Parteien waren die Sozialisten (PSI) unter P. Nenni, die Kommunisten (PCI) unter P. Togliatti, die allerdings im Zeichen des Ost-West-Konfliktes seit 1948 von der Regierungsverantwortung ausgeschlossen blieben, sowie die Republikaner (PRI). Koalitionspolitisch spielten auch die Liberalen (PLI) eine Rolle.
 
Mithilfe des Marshallplans leitete die Regierung De Gasperi (1945-53) den Wiederaufbau der Wirtschaft ein. Eine Sozial- und Agrarreform wurde zwar begonnen, aber nicht mit der notwendigen Konsequenz durchgef√ľhrt, sodass die Probleme, besonders in S√ľditalien, bis in die Gegenwart fortbestehen. Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit (1953) bildete die DC zun√§chst Koalitionsregierungen der ¬Ľrechten Mitte¬ę (Centro destra) v. a. mit den Liberalen, und zwar unter den Ministerpr√§sidenten G. Pella (1953/54), M. Scelba (1954/55) und A. Segni (1955-57, 1959/60). Ab 1960 begann, auch unter dem Einfluss der Neuorientierung der katholischen Kirche durch das 2. Vatikanische Konzil, in der DC die ¬Ľ√Ėffnung nach links¬ę (Apertura a sinistra): A. Fanfani leitete erstmals eine Koalitionsregierung, der nichtkommunistischen Linksparteien angeh√∂rten. Die Mitte-links-Regierung unter A. Moro (1963-68) und M. Rumor (1968-70) bem√ľhten sich um innenpolitische Stabilit√§t. Anfang der 70er-Jahre f√ľhrten jedoch Inflation, Stagnation und Arbeitslosigkeit zu politischer Polarisierung und schnell wechselnden Regierungen. Unter Ministerpr√§sident G. Andreotti (1976-79) sollte ein breites Regierungsb√ľndnis, unter parlamentarischer Duldung der von E. Berlinguer gef√ľhrten Kommunisten (historischer Kompromiss), das Land beruhigen, dessen innere Sicherheit von rechts- und linksterroristischen Anschl√§gen bedroht wurde (u. a. 1978 Ermordung Moros durch die Roten Brigaden; 1980 Sprengstoffanschlag auf den Bahnhof von Bologna von rechtsextremer Seite). Nach dem Bruch des B√ľndnisses brachten Neuwahlen keine wesentlichen Kr√§fteverschiebungen (Koalitionsregierung unter Cossiga und A. Forlani).
 
Mit Beginn der 80er-Jahre verst√§rkte sich die politische und institutionelle Krise. Vor allem die Verwicklung f√ľhrender Pers√∂nlichkeiten des √∂ffentlichen Lebens in Skandale und kriminelle Delikte (so um die Freimaurerloge ¬ĽP 2¬ę, in deren Mittelpunkt der Bankrott des vom Vatikan kontrollierten Banco Ambrosiano stand) ersch√ľtterten das Ansehen des Staates. 1981 verlor die DC zum ersten Mal das Amt des Regierungschefs (G. Spadolini, PRI, 1981/82; B. Craxi, PSI, 1983-87). 1984 wurden die Lateranvertr√§ge durch ein neues Konkordat ersetzt (vergleiche Abschnitt Religion).
 
Bei den Wahlen 1987 konnten sich die traditionellen Parteien noch einmal behaupten, die DC wurde wieder st√§rkste Kraft, doch wechselten in der Koalitionsregierung mehrmals die Ministerpr√§sidenten mit ihren Kabinetten: April bis Juni 1987: Fanfani; Juli 1987 bis M√§rz 1988: Giovanni Goria (* 1943); April 1988 bis Mai 1989: C. De Mita; Juli 1989 bis Juni 1992: Andreotti. Die Sparprogramme der Regierungen angesichts der wachsenden Staatsverschuldung f√ľhrten zu politischen Konflikten zwischen Regierung und Opposition, aber auch zwischen den Regierungs-Partnern. Es kam zu Streiks und Massendemonstrationen. Die innere Sicherheit des Landes wurde zunehmend bedroht von der wachsenden Durchdringung der Gesellschaft durch das organisierte Verbrechen, besonders durch die Mafia. Die hohe Staatsverschuldung, die Ermordung von Justizbeamten, die mit der Bek√§mpfung der Mafia beauftragt waren (so der Richter Giovanni Falcone, * 1939, ermordet 1992), die undurchsichtige Verflechtung von Parteiwesen und Staatsinstitutionen sowie Staatsbetrieben, die Verstrickung der Parteien (besonders der DC und des PSI) in Korruptionsvorg√§nge sowie der Vorwurf der Zusammenarbeit mit dem organisierten Verbrechen l√∂sten 1992 eine schwere Staatskrise aus. Diese f√ľhrte zu einem Umbruch im Parteiensystem. Neue politische Kr√§fte meldeten sich zu Wort, so die antizentralistische Lega Nord unter U. Bossi; am rechten Rand etablierten sich die Neofaschisten unter G. Fini. Der PCI hatte bereits im Februar 1991 Namen und Programm gewechselt (Partito Democratico della Sinistra; PDS). Nach dem vorzeitigen R√ľcktritt Cossigas als Staatspr√§sident (28. 4. 1992) w√§hlten beide H√§user des Parlaments Scalfaro am 25. 5. 1992 in das Amt. Als ersten Schritt zu einer Erneuerung des politischen Lebens setzte Ministerpr√§sident G. Amato (PSI; Juni 1992 bis April 1993) eine Wahlrechtsreform durch, die stabile Mehrheiten sichern soll; sie wurde in einem Referendum im April 1993 mit 83 % der Stimmen von der Bev√∂lkerung angenommen (in Kraft gesetzt am 18. 12. 1993). Amato scheiterte an einem umstrittenen Amnestiegesetz; an der Spitze eines Notstandskabinetts √ľbernahm im April 1993 C. A. Ciampi (parteilos) die Regierung. Neben der Verminderung der Staatsverschuldung und der Verfassungsreform stand die Bek√§mpfung der Mafia im Vordergrund. Das Vertrauen in das politische System und seine Repr√§sentanten wurde weiter ersch√ľttert durch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Spitzenmanager der Staatskonzerne sowie gegen f√ľhrende Politiker (u. a. gegen Andreotti und Craxi). Nach dem R√ľcktritt von Ciampi im Januar 1994 l√∂ste Staatspr√§sident Scalfaro das Parlament auf. Bei den Neuwahlen im M√§rz 1994 bildete sich ein stark ver√§ndertes politisches Kr√§ftefeld heraus. Bereits im Januar 1994 war die DC in mehrere Parteien auseinander gefallen (u. a. Partito Popolare Italiano, PPI; Centro Cristiano Democratico, CCD). Wahlsieger wurde das stark rechtsgerichtete Parteienb√ľndnis ¬ĽPolo per la Libert√†¬ę (¬ĽPol der Freiheit¬ę) aus der neu gegr√ľndeten Forza Italia (FI), der Lega Nord und der Alleanza Nazionale (hervorgegangen aus dem neofaschistischen MSI-DN). Ministerpr√§sident wurde S. Berlusconi, der Gr√ľnder und Vorsitzender der FI und einflussreicher Unternehmer v. a. im Bereich der Medien. Er scheiterte bereits Ende 1994, nachdem auch er in den Verdacht der Bestechung geraten war und die Lega Nord deshalb das Regierungsb√ľndnis verlie√ü. Der bisherige Schatzminister L. Dini bildete im Januar 1995 eine √úbergangsregierung von Fachleuten. Seine Aufgabe war es v. a., Finanzreformen einzuleiten und mit der Privatisierung der Staatsunternehmen zu beginnen. Im Januar 1996 trat er zur√ľck, als er keine Unterst√ľtzung mehr im Parlament hatte. Aus den Neuwahlen im April 1996 ging das B√ľndnis der Linksparteien ¬ĽL'Ulivo¬ę (¬ĽDer √Ėlbaum¬ę) als Sieger hervor. Zum ersten Mal √ľbernahm eine Linkskoalition die Regierung, Ministerpr√§sident wurde der parteilose R. Prodi. Durch Korrektur der Ausgaben- und Steuerpolitik bem√ľhte er sich unter ma√ügeblicher Mitwirkung Ciampis als Wirtschaftsminister um die Sanierung des Staatshaushalts, erfolgreich v. a. in der Erf√ľllung der Euro-Kriterien. Im Oktober 1998 scheiterte Prodi am Haushaltgesetz 1999, eine neue Regierung wurde - ebenfalls von der Linkskoalition - unter M. D'Alema gebildet. Sie setzte die Politik ihrer Vorg√§ngerin fort, bis auch ihr, nach einer schweren Niederlage der Koalitionsparteien in Regionalwahlen im April 2000, das parlamentarische Vertrauen entzogen wurde. Das Amt des Ministerpr√§sidenten √ľbernahm darauf wiederum der parteilose Amato, die Mitte-links-Koalition blieb bis zu den Parlamentswahlen 2001 bestehen. Bei diesen Wahlen (Mai 2001) erhielt das unter dem Namen ¬ĽCasa delle Libert√†¬ę erneuerte Mitte-rechts-B√ľndnis in beiden Kammern die Mehrheit. Berlusconi, wiederum F√ľhrer des B√ľndnisses, bildete im Juni 2001 als Ministerpr√§sident die 59. Nachkriegsregierung Italiens. - Staatspr√§sident ist seit Mai 1999 Ciampi.
 
In seiner Au√üenpolitik musste Italien nach dem Zweiten Weltkrieg die Folgen der vom Faschismus gef√ľhrten Gro√ümachtpolitik √ľberwinden. Im Friedensvertrag von Paris (10. 2. 1947 konnte es im Wesentlichen sein nationales Territorium behaupten. Es verlor den Dodekanes an Griechenland, Istrien an Jugoslawien. Das Gebiet von Triest wurde zum Freistaat erkl√§rt und 1954 in einem De-facto-Abkommen zwischen Italien und Jugoslawien geteilt. Italien erkannte die Unabh√§ngigkeit Albaniens und √Ąthiopiens an, verzichtete auf seine Kolonien, erhielt jedoch (1950) die Treuhandschaft der UN √ľber Italienisch-Somaliland (Somalia).
 
Die Autonomiew√ľnsche der deutsch- und ladinischsprachigen Mehrheit in S√ľdtirol f√ľhrten zu Spannungen mit √Ėsterreich. Die Umsetzung des zwischen dem √∂sterreichischen Au√üenminister K. Gruber und dem italienischen Ministerpr√§sidenten De Gasperi ausgehandelten Abkommens erstreckte sich √ľber Jahrzehnte, erst 1992/93 waren alle strittigen Punkte auch v√∂lkerrechtlich gekl√§rt.
 
Im Zuge des Ost-West-Konflikts schloss sich Italien dem westlichen Verteidigungssystem an; 1949 wurde es Mitglied der NATO, 1955 auch der Westeurop√§ischen Union. Italien beteiligt sich aktiv an den Bem√ľhungen zur wirtschaftlichen und politischen Integration Europas. 1949 wurde es Mitglied des Europarates, 1952 der Europ√§ischen Gemeinschaft f√ľr Kohle und Stahl, 1958 (im Rahmen der R√∂mischen Vertr√§ge) der EWG und der EURATOM. 1992 stimmten Senat und Abgeordnetenhaus dem Maastrichter Vertrag zu. Italien beteiligt sich an milit√§rischen Eins√§tzen der UN (so in Bosnien und in Somalia); bei der internationalen Mission in Albanien (1997) √ľbernahm Italien die F√ľhrung.
 
 
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Storia della società italiana, hg. v. G. Cherubini, auf 25 Bde. ber. (ebd. 1980 ff.);
 V. Negri Zamagni: Lo stato italiano e l'economia. Storia dell'intervento pubblico dall'unificazione ai giorni nostri (Florenz 1981);
 A. Benenati: Le développement inégal en Italie (Paris 1982);
 L. De Rosa: La rivoluzione industriale in Italia (Rom 31985);
 A. Dewerpe: L'industrie aux champs. Essai sur la proto-industrie en Italie du Nord, 1800-1880 (ebd. 1985);
 G. Brosio u. C. Marchese: Il potere di spendere. Economia e storia della spesa pubblica dall'unificazione ad oggi (Bologna 1986).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Gro√üreiche: Kolosse auf t√∂nernen F√ľ√üen?
 
Europa im Revolutionsjahr 1848/49: B√ľrger auf den Barrikaden
 
Italien: Zwischen Cavour und Garibaldi
 
Italien: Entstehung des Faschismus
 
Achse Berlin-Rom: Partnerschaft von Hitler und Mussolini
 
Italien: Auf dem Weg zur Republik
 

* * *

Ita|li|en; -s: Staat in S√ľdeuropa.

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • italien ‚ÄĒ italien, ienne [ italj…õŐÉ, j…õn ] adj. et n. ‚ÄĘ v. 1265 ytalliens n. m. pl.; it. italiano ‚ô¶ De l Italie. ‚áí transalpin. La p√©ninsule, la ¬ę botte ¬Ľ italienne. Monnaie italienne. ‚áí 2. lire. Peinture, musique italienne. Com√©die italienne. ‚áí commedia… ‚Ķ   Encyclop√©die Universelle

  • Italń≠en ‚ÄĒ (lat. u. ital. Italia, franz. Italie, engl. Italy), K√∂nigreich, die mittlere der drei Halbinseln S√ľdeuropas (hierzu 3 Karten: √úbersichtskarte, n√∂rdliche H√§lfte und s√ľdliche H√§lfte von Italien). Lage, Meeresk√ľste. In der s√ľdlichen H√§lfte der… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Italien [2] ‚ÄĒ Italien (Geschichte). I. √Ąlteste Geschichte. Zu der Zeit, wo J. in die Geschichte eintritt, wurde die Halbinsel von V√∂lkern sehr verschiedenen Stammes bewohnt. Im √§u√üersten Nordosten, dem heutigen Venetien, wohnten die Veneter, welche… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • italien ‚ÄĒ italien, ienne (i ta liin, li√® n ) adj. 1¬į¬†¬†¬†Qui appartient √† l Italie. ‚Äʬ†¬†¬†Des op√©ras italiens, ex√©cut√©s par des voix qu il fit venir d Italie, VOLT. Louis XIV, 25. ¬†¬†¬†R√©publiques italiennes, √Čtats ind√©pendants que form√®rent au XIIe si√®cle… ‚Ķ   Dictionnaire de la Langue Fran√ßaise d'√Čmile Littr√©

  • Italien [1] ‚ÄĒ Italien. I. (Weltage). I. ist die mittlere der s√ľdeurop√§ischen Halbinseln, zerf√§llt der horizontalen Gliederung nach in zwei verschiedene Theile das continentale I., n√∂rdlich u. nord√∂stlich von Apennin bis in die Gegend von Ancona, u. das… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Italien ‚ÄĒ Italien, die europ. Halbinsel, die sich in s√ľd√∂stl. Richtung 130 Mln. weit in das mittell√§nd. Meer erstreckt, von der Halbinsel des H√§mus durch das adriat. u. jonische Meer, von Deutschland, der Schweiz u. Frankreich durch die Alpen getrennt,… ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Italien ‚ÄĒ [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Bsp.: ‚ÄĘ Oh, ich m√∂chte diesen Sommer wirklich nach Italien fahren ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • Italien ‚ÄĒ Repubblica Italiana Italienische Republik ‚Ķ   Deutsch Wikipedia

  • Italien ‚ÄĒ Cet article concerne la langue italienne. Pour les autres significations du nom italien, voir Italien (homonymie). Italien Italiano Parl√©e en   ‚Ķ   Wikip√©dia en Fran√ßais

  • Italien ‚ÄĒ 1. Aus Italien bringen die Deutschen drei Unheil zu Hause: leeren S√§ckel, kranken Leib und b√∂s Gewissen. ‚Äď Deutsche Romanzeitung, III, 45, 711; Hesekiel, 30. 2. In Italien sind die Weiber eingezogen und b√∂se, in Deutschland h√§uslich und… ‚Ķ   Deutsches Sprichw√∂rter-Lexikon


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